 die Klippe, an welcher alles scheitern musste; und ich gestehe,
dass, wenn ich diese Klippe geahnt hätte, ich meinen ganzen Entwurf für mich
behalten haben würde. Der große, wenn gleich sehr verzeihliche, Fehler, den ich
beging, bestand darin, dass ich Verstand und Genie verwechselte. Ich glaubte an
dem Kammerherrn einen tüchtigen Gehülfen gefunden zu haben, weil er ein Mann von
Verstand war; aber ich bedurfte eines Mannes von Genie, und davon war, genau
genommen, keine Spur in dem Kammerherrn. Mochte er noch so sehr versichern, dass
er mich vollkommen verstanden habe; er konnte meine Idee nur verderben.
    Da meine Operationen von denen des Kammerherrn abhingen; so war ich auf
nichts so aufmerksam, als auf das Betragen des Prinzen gegen seine Gemahlin.
Gewisse Modifikationen in demselben zeigten mir an, dass eine Unterredung statt
gefunden haben müsse; aber diese Modifikationen hatten noch keinen so bestimmten
Charakter, dass ich mit Sicherheit auf den Gehalt der Unterredung zurückschliessen
konnte. Mir schlug das Herz vor Ungeduld; in mehreren Billets zeigte ich dem
Kammerherrn an, dass keine Zeit zu verlieren sei. Dieser mochte seiner Seits den
besten Willen von der Welt haben; da er aber seiner Einsicht unterlag, so konnte
er sein Geschäft nur verderben. Unfähig, einen solchen Charakter, wie der der
Prinzessin nun einmal war, zur Anschauung zu erheben, und sich unstreitig
einbildend, dass das, was wir erreichen wollten, sich auf mehr als einem Wege
erreichen lasse, gab er seinem Herrn lauter solche Anschläge, dass dieser sich in
der Achtung der Prinzessin noch weiter zurücksetzen musste. Soll ich das Betragen
des Prinzen mit Einem Worte charakterisiren, so muss ich sagen, dass es ein
galantes war. Was in aller Welt konnte aber die Prinzessin mehr empören, als
dieses Gemisch von Ehrerbietung und Verachtung, zusammengehalten durch Heuchelei
und Niederträchtigkeit? Sie hätte zu den allergemeinsten Naturen gehören müssen,
wenn ihr der Prinz auf diesem Wege achtungswert geworden wäre. Auch fühlte sie
sich tief verwundet; und ob sie gleich kein Wort fallen ließ, wodurch sie ihren
inneren Zustand offenbaret hätte, so zeigte doch eine gewisse unbeschreibliche
Traurigkeit, wie heftig der Schmerz war, der ihr Innerstes durchwühlte. Es lag
am Tage, dass der Kammerherr sich nicht hatte von der Idee losreißen können, die
er von der Gebrechlichkeit des weiblichen Geschlechts hatte; und wollen wir ihm
hier Vorwürfe darüber machen, dass er in dieser Hinsicht auf Einer Linie mit den
meisten Männern stand, welche nie begreifen können, wie es außer ihrer Realität
noch eine andere geben könne?
    Es versteht sich von selbst, dass ich neutralisirt war, so bald die Sache
diese Wendung genommen hatte; denn ich hatte mich nur zur Nachhülfe anheischig
gemacht
