 einmal
für allemal aus der Bahn weichen will, die ich mir vorgezeichnet habe.« Der
Hofcapellan sah mich mit so dummen Augen an, als wenn von Verschmitzheit und
Ränkesucht nie eine Spur in ihm gewesen wäre. Offenbar erstaunte er darüber, an
ein Wesen geraten zu sein, dem er nicht gewachsen war; und ob er sich gleich
alle Mühe gab, in sein voriges Gleichgewicht zurückzutreten, und seinen Besuch
recht absichtlich verlängerte, um mir irgend einen Vorteil abzugewinnen, der
alles, was zwischen uns vorgefallen war, wieder ins Gleiche bringen möchte, so
schieden wir zuletzt doch so auseinander, dass von einer Gemeinschaft zwischen
uns beiden, was auch immer ihr Gegenstand sein möchte, nicht wieder die Rede
sein konnte.
    Was den Kammerherrn des Erbprinzen betraf, so hatte ich längst bei mir
ausgemacht, dass er bei weitem unschuldiger sei, als er in der Darstellung des
Hofcapellans erschien. Sein Hauptverbrechen war, der Liebling des Erbprinzen zu
sein, dessen Gunst er durch nichts so sehr erobert hatte, als durch seine
Polsterartigkeit, wenn man mir diesen Ausdruck gestatten will. Es ist wahr, es
fehlte ihm nicht an Verstand; allein sein Verstand war nicht der schöpferische,
der Anderen gebietet, indem er ihnen Richtungen gibt, die sie aus sich selbst
zu nehmen allzuschwach sind, sondern der legale, der nur immer den fremden
Willen bearbeitet, und folglich gar nicht für und durch sich existiert. Des
Kammerherrn höchster Grundsatz war: der Erbprinz ist der Herr. Diesem Grundsatz
gemäß wagte er es nie, dem Erbprinzen zu widersprechen. Hätte dieser seine
Gemahlin lieben können, so würde er nichts dagegen einzuwenden gehabt haben; da
aber der Erbprinz dies nicht konnte, so hatte der Kammerherr auch wiederum
nichts dagegen, dass er seine Verbindung mit einer früheren Geliebten fortsetzte,
und tat, was in seinen Kräften stand, die Wünsche des Prinzen in dieser
Hinsicht zu befriedigen. Er meinte es gewiss mit der ganzen Welt gut; aber da es
einmal unmöglich ist, der ganzen Welt zu genügen, so hielt er es nur mit dem,
dem er seine Dienste einmal gewidmet hatte. Seine Furchtbarkeit war gewiss nicht
weit her; indessen erschien er allen denjenigen furchtbar, welche in Erwägung
zogen, dass es, nach dem Tode des Herzogs, nur von ihm abhängen werde,
Premier-Minister zu sein. Einem solchen Schlag zuvorzukommen, wollte man ihn so
zeitig als möglich verdrängen. Wenn man mich in die Kabale zu verflechten
wünschte, so geschah dies um der guten Meinung willen, die man von meinem
Verstande gefasst hatte. Nichts beabsichtigte man weniger, als eine Vereinigung
des Prinzen mit der Prinzessin, und der Hofcapellan hatte sich nur in das
Komplott ziehen lassen, weil er erfahren hatte, dass eben
