 und edel
nennen; darum drängen Sie sich in seine Nähe, wie ich mich in die Ihrige
gedrängt habe. Ich verstehe Sie vollkommen; und weil ich Sie verstehe, muss ich
Ihre Schritte billigen. Wie konnten Sie erwarten, dass wir hierin verschiedener
Meinung sein würden? Dies sind wir nie gewesen, dies können wir niemals werden.
Der Streit ist nur für diejenigen vorhanden, die sich einander nicht begreifen;
wir aber können, dünkt mich, nur zusammen sprechen, nicht mit einander
disputiren. Ich, die Ihnen so viel verdankt, ich sollte dieselben Ideen, die Sie
in mich niedergelegt haben, gegen Sie wenden? Wie wäre dies nur möglich! Ich
habe nicht das Allermindeste gegen Ihren Entschluss vorzubringen; erlauben Sie
nur, Ihnen zu sagen, dass Sie im Schlachtgetümmel mir eben so gegenwärtig sein
werden, als Sie es in diesem Augenblicke sind.«
    Um keinen Preis hätte ich eine andere Antwort geben können, und ihre
Wahrheit ergriff den Herrn von Z... so sehr, dass er in ein tiefes Nachdenken
versank. Mutter und Schwester kehrten zu uns zurück, und nun war von anderen
Dingen die Rede. Schwerlich ist jemals eine Liebeserklärung in dieser Form
gemacht worden; und schwerlich meinten es gleichwohl zwei Liebende ernstlicher
und redlicher mir einander. Mit welchem Feuer würden wir uns umfasst haben, hätte
es keinen Friedrich den Zweiten gegeben! Wir fühlten auf das deutlichste, dass
wir für einander da waren, aber wir fühlten zugleich, dass der Augenblick unserer
Verbindung noch nicht gekommen sei.
    Ein Eilbote überbrachte in einem königlichen Handschreiben die Nachricht von
Moritzens Anstellung im Gefolge des Monarchen nach einem monatlichen
Garnisondienst. Die Anstalten zur Abreise wurden unverzüglich gemacht. Mein Herz
klopfte bei dem Anblick derselben, und eine schwarze Ahnung bemächtigte sich
meines Gemüts; aber ich half beim Einpacken, indem ich Pflicht nannte, was ich
zu meiner Zerstreuung tat. Moritz war wechselsweise exaltirt und
niedergeschlagen, und ich sah nur allzudeutlich, wie er sich zugleich an mich
angezogen und von mir zurückgehalten fühlte. Einmal sagte er mir: »Es bleibt
eine ewige Wahrheit, dass die Ruhe nur in dem Gemüte der Weiber ist.« Ich hatte
nicht das Herz darauf zu antworten, wiewohl ich für den Augenblick sehr viel
gegen diese ewige Wahrheit einzuwenden hatte.
    Die Stunde der Trennung rückte immer näher. Ich wollte einem förmlichen
Lebewohl ausweichen, weil ich mich nicht stark genug dazu glaubte; allein Moritz
hatte meine Absicht allzugut erraten, um sie nicht zu vereiteln. Überraschend
erschien er in meiner Wohnung, und mit einer Miene, welche mir seinen inneren
Zustand als sehr aufgeregt darstellte, überreichte er mir, außer einem Ringe,
sein Bildnis im Kleinen an einer leichten goldenen Kette mit der Bitte, beides
zu
