 Andere. Aber ich stelle
ihm die Sache hin, rein und natürlich, wie sie mir erscheint, um vielleicht
durch eine neue Ansicht sein Urteil unbefangen zu machen.« - Aber, Freund! mit
dieser kalten Klarheit richtest Du jetzt nichts aus, jetzt nicht gegen mein
leidenschaftliches, gequältes Herz. Ich fodre Dein Urteil, ganz bestimmt, Alles
was Du von ihr, ihrem Wesen, ihren Verhältnissen und ihrer Liebe zu mir, denkst.
- Ach! dass ich so kalt, so fremd, so gemein, von ihr, von dem sprechen muss, was
mir das Nächste, das Heiligste, das Unaussprechlichste war! - Wie anders, wie
ganz anders gestalten sich diese göttlichen Bilder, durch diesen Zweifel, diese
unwürdige Verhandlung! - Wie! ich hätte vielleicht geträumt? - und dies alles
könnte enden, wie das Gemeinste endet? und es wäre Wahn gewesen, Rausch des
Vergnügens, kurz, irgend etwas, was man erklären kann, was ich so einzig, so
göttlich in mir fühlte? - O! vielleicht haben meine letzten Briefe, oder die
ihrigen, ein unglückliches Schicksal gehabt, und ein gemeiner Zufall verführt
mich zu den frevelhaftesten Äußerungen! - Genug, schreibe mir bald und
deutlich. Ich warte zwei Posttage auf Deinen Brief, und warte ich vergebens, so
siehst Du mich vor Dir!
 
                          Sieben und zwanzigster Brief
                                Eduard an Barton
Gut! ich habe nun Deinen Brief, und Du bist mit mir abgefunden. Du handelst
rechtlich, und ob gleich ich Dich hier lieber fühlend hätte handeln sehen, so
darf ich doch nichts dagegen sagen. - Du schreibst mir, dass Dich Albret einst
aus einer der größten Verlegenheiten Deines Lebens befreit hat, dass Du ihm große
Verbindlichkeiten schuldig bist, und damals den unverbrüchlichen Vorsatz gefasst
hast, niemals auf keine Veranlassung, und in keinem Verhältnis, gegen ihn zu
handeln. Treue gegen Deinen Entschluss, und noch überdies, die Überzeugung, dass
man sich nie in fremde Herzensangelegenheiten mischen dürfe, hielten Dich also
ab, an meinem Verhältnis mit Amanda, auch nur entfernt, Teil zu nehmen, und
alles was Du jetzt für mich tun konntest, war, dass Du Nanetten fragtest, ob ihr
vielleicht der Grund von Amandas Schweigen bekannt sei? - Und er war es! -
Amanda hat mir auf Albrets Bitte feierlich entsagt! Sei der Bewegungsgrund
welcher er wolle, sie hat mir entsagen können, was lässt sich dagegen einwenden?
- Und nicht von ihr selbst sollte ich dies erfahren - denn ich habe keinen Brief
darüber von ihr, so unbegreiflich dies ist. Vielleicht, dass irgend ein Geheimnis
hier verborgen ist, aber wie es auch sei - Nanette hat es ja von Albret selbst
gehört. - Entsagt!
