 Mir wird dann jedes so bekannt, so lieb; und was mir seltsam noch
erschien und fremd, wird nun auf einmal wie ein Hausgerät.
    Gerade diese Fremdheit ist mir fremd, und darum hat mich immer diese
Sammlung zugleich entfernt und angezogen. Den Lehrer kann und mag ich nicht
begreifen. Er ist mir just so unbegreiflich lieb. Ich weiß es, er versteht mich,
er hat nie gegen mein Gefühl und meinen Wunsch gesprochen. Vielmehr will er, dass
wir den eignen Weg verfolgen, weil jeder neue Weg durch neue Länder geht, und
jeder endlich zu diesen Wohnungen, zu dieser heiligen Heimat wieder führt.
Auch ich will also meine Figur beschreiben, und wenn kein Sterblicher, nach
jener Inschrift dort, den Schleier hebt, so müssen wir Unsterbliche zu werden
suchen; wer ihn nicht heben will, ist kein echter Lehrling zu Sais.
 
                                  2. Die Natur
Es mag lange gedauert haben, ehe die Menschen darauf dachten, die mannichfachen
Gegenstände ihrer Sinne mit einem gemeinschaftlichen Namen zu bezeichnen und
sich entgegen zu setzen. Durch Übung werden Entwickelungen befördert, und in
allen Entwickelungen gehen Teilungen, Zergliederungen vor, die man bequem mit
den Brechungen des Lichtstrahls vergleichen kann. So hat sich auch nur
allmählich unser Inneres in so mannichfaltige Kräfte zerspaltet, und mit
fortdauernder Übung wird auch diese Zerspaltung zunehmen. Vielleicht ist es nur
krankhafte Anlage der späteren Menschen, wenn sie das Vermögen verlieren, diese
zerstreuten Farben ihres Geistes wieder zu mischen und nach Belieben den alten
einfachen Naturstand herzustellen, oder neue, mannichfaltige Verbindungen unter
ihnen zu bewirken. Je vereinigter sie sind, desto vereinigter, desto
vollständiger und persönlicher fließt jeder Naturkörper, jede Erscheinung in sie
ein: denn der Natur des Sinnes entspricht die Natur des Eindrucks, und daher
musste jenen früheren Menschen alles menschlich, bekannt und gesellig vorkommen,
die frischeste Eigentümlichkeit musste in ihren Ansichten sichtbar werden, jede
ihrer Äußerungen war ein wahrer Naturzug, und ihre Vorstellungen mussten mit der
sie umgebenden Welt übereinstimmen, und einen treuen Ausdruck derselben
darstellen. Wir können daher die Gedanken unsrer Altväter von den Dingen in der
Welt als ein notwendiges Erzeugniss, als eine Selbstabbildung des damaligen
Zustandes der irdischen Natur betrachten, und besonders an ihnen, als den
schicklichsten Werkzeugen der Beobachtung des Weltalls, das Hauptverhältniss
desselben, das damalige Verhältnis zu seinen Bewohnern, und seiner Bewohner zu
ihm, bestimmt abnehmen. Wir finden, dass gerade die erhabensten Fragen zuerst
ihre Aufmerksamkeit beschäftigten, und dass sie den Schlüssel dieses wundervollen
Gebäudes bald in einer Hauptmasse der wirklichen Dinge, bald in dem erdichteten
Gegenstande eines unbekannten Sinns aufsuchten. Bemerklich ist hier die
gemeinschaftliche Ahndung desselben im Flüssigen, im Dünnen, Gestaltlosen. Es
mochte wohl die Trägheit und Unbehülflichkeit der festen Körper den Glauben an
ihre
