 Ausarbeitung dieses zweiten Teils gekommen.
Diesen nannte er die Erfüllung, so wie den ersten Erwartung, weil hier alles
aufgelöst, und erfüllt werden sollte, was jener hatte ahnden lassen. Es war die
Absicht des Dichters, nach Vollendung des Ofterdingen noch sechs Romane zu
schreiben, in denen er seine Ansichten der Physik, des bürgerlichen Lebens, der
Handlung, der Geschichte, der Politik und der Liebe, so wie im Ofterdingen der
Poesie niederlegen wollte. Ohne mein Erinnern wird der unterrichtete Leser sehen,
dass der Verfasser sich in diesem Gedichte nicht genau an die Zeit, oder an die
Person jenes bekannten Minnesängers gebunden hat, obgleich alles an ihn und sein
Zeitalter erinnern soll. Nicht nur für die Freunde des Verfassers, sondern für
die Kunst selbst, ist es ein unersetzlicher Verlust, dass er diesen Roman nicht
hat beendigen können, dessen Originalität und große Absicht sich im zweiten
Teile noch mehr als im ersten würde gezeigt haben. Denn es war ihm nicht darum
zu tun, diese oder jene Begebenheit darzustellen, eine Seite der Poesie
aufzufassen, und sie durch Figuren und Geschichten zu erklären, sondern er
wollte, wie auch schon im letzten Kapitel des ersten Teils bestimmt angedeutet
ist, das eigentliche Wesen der Poesie aussprechen und ihre innerste Absicht
erklären. Darum verwandelt sich Natur, Historie, der Krieg und das bürgerliche
Leben mit seinen gewöhnlichsten Vorfällen in Poesie, weil diese der Geist ist,
der alle Dinge belebt.
    Ich will den Versuch machen, so viel es mir aus Gesprächen mit meinem
Freunde erinnerlich ist, und so viel ich aus seinen hinterlassenen Papieren
ersehen kann, dem Leser einen Begriff von dem Plan und dem Inhalte des zweiten
Teiles dieses Werkes zu verschaffen.
    Dem Dichter, welcher das Wesen seiner Kunst im Mittelpunkt ergriffen hat,
erscheint nichts wiedersprechend und fremd, ihm sind die Rätsel gelöst, durch
die Magie der Fantasie kann er alle Zeitalter und Welten verknüpfen, die Wunder
verschwinden und alles verwandelt sich in Wunder: so ist dieses Buch gedichtet,
und besonders findet der Leser in dem Märchen, welches den ersten Teil
beschliesst, die kühnsten Verknüpfungen; hier sind alle Unterschiede aufgehoben,
durch welche Zeitalter von ein ander getrennt erscheinen, und eine Welt der
andern als feindselig begegnet. Durch dieses Märchen wollte sich der Dichter
hauptsächlich den Übergang zum zweiten Teile machen, in welchem die Geschichte
unaufhörlich aus dem Gewöhnlichsten in das Wundervollste überschweift, und sich
beides gegenseitig erklärt und ergänzt; der Geist, welcher den Prolog in Versen
hält, sollte nach jedem Kapitel wiederkehren, und diese Stimmung, diese
wunderbare Ansicht der Dinge fortsetzen. Durch dieses Mittel blieb die
unsichtbare Welt mit dieser sichtbaren in ewiger Verknüpfung. Dieser sprechende
Geist ist die Poesie selber, aber zugleich der siderische Mensch, der mit
