 dass die Obsttragenden auch so stark und dauerhaft werden möchten,
Wattines mich aber ganz darüber belehrte. -
    Endlich aber sagte mein teurer Karl: er habe in einer Ruhestunde diese
Bäume als Sinnbild des menschlichen Geistes betrachtet, wie unser geliebter
Bernardin de St. Pierre das Bild des menschlichen Schicksals darin erblickte,
und sagte:
    »Alle Äste und Zweige unsers Lebens sind sterblich wie der Stamm selbst es
ist. Unser Glück, unser Ruhm, unsere Freundschaften, unsere Liebe, alle
Gegenstände unserer liebsten Neigungen vergehen und verfallen sehr oft vor uns.
- Wie oft scheinen glückliche Umstände einer Familie zu glänzen, wie der weit
verbreitete, den Wald verschönernde Gipfel einer mächtigen Eiche, welche
unerwartet vom Donner zerschmettert fällt.« Diese Erinnerung war mir nicht lieb,
und ich sagte zu Wattines: Bester Mann! deine Betrachtung wird doch nicht so
düster sein wie diese?
    Nein, aber vielleicht nicht so nahe bei der Wahrheit. Meine Träumerei
entstand aus der Erinnerung, dass unsere großen Gelehrten in der Encyclopädie
sagten: alle unsere Ideen und Kenntnisse erhält unser Geist durch die Sinne:
also durch sinnliche irdische Hilfsmittel, des Fühlens und Sehens, wie Bäume,
welche nach dem Gesetze der Natur aus der Erde stammen, von ihr festgehalten und
ernährt werden, die Kraft des Erhebens und Ausbreitens durch sie bekommen, durch
die Wurzeln unaufhörlich Säfte und Kräfte sammeln, und diese in dem freien
Luftraum in Ästen, Zweigen, Blättern und Früchten, in tausendfacher Richtung
und Biegungen zeigen, weil sie in der Luft sich frei und willkührlich ausbreiten
können, ihre Bewegung aber nur durch zufällige, schwache oder starke
Erschütterung erhalten. - Ist es, dachte ich, nach dem Grundsatze der Gelehrten
und dem Stammbaume der Wissenschaften nicht eben so? Da sie durch die Sinne,
also durch die mit unserer Erde verbundenen Wesen entstehen, und durch sie
unterhalten werden? - Erheben und verbreiten sich die Ideen der Menschen nicht
in dem unermesslichen Spielraume der moralischen Welt des Denkens, bald in
mächtigen fruchtbaren Ästen großer und nützlicher Wissenschaften, bald in
tausend größeren und kleineren Zweigen der Dichtkunst, wohl auch in Tändelei und
Phantasien? Sind die Werke des Geistes nicht auch zufälligen Meinungen, oder
Erschütterung fremder Gewalt unterworfen?
    Ich lächelte nun auch, und stimmte mit Frau Wattines ein, dass die Einsiedler
sehr oft Erscheinungen und Träume für wahr halten, und überhaupt ihre Denkkraft
einen besonderen Gang nehme; - doch ist Wattines Vergleich, da er sich auf seine
geliebte Encyclopädie gründet, nicht so schief, besonders da er ihn nur seiner
Frau in einer Erholungsstunde vorlegte, und gewiss niemals bei einer Akademie
damit auftreten wird. Wie sehr wünsche ich über diese und alle andre in meinen
Blättern entaltene Gedanken und Bilder, etwas von den Bemerkungen und Noten
meines
