 ein Leitseil, aus seinen Pfeilen Sporen und Steigeisen
zu machen. Es sind mir auch die halben Beweise recht gut bekannt, womit sich
diese Sekte deckt - die Bigotterie der Fürstin - ihr Beichtabend - ihre
bisherige Aufmerksamkeit für meinen Helden - das Verdecken der gemalten Marie
und das Entüllen der lebendigern - und alle Umstände meiner Erzählung. Aber ich
kann so etwas von einer Freundin Klotildens (diese müsste sich denn gerade
deswegen von ihr geschieden oder aus Seelengüte diese nur dem männlichen
Geschlechte gewöhnlichern Eilboten des Temperaments gar nicht begriffen haben)
unmöglich eher denken, als bis mich in der Folge offenbare Spuren eines mehr
erbitterten als gekränkten Weibes dazu nötigen. -
    Ich komme von meinem Versprechen ganz ab, einiges näher zu legen, was gewiss
bei Unparteiischen meinen Helden darüber, wo nicht rechtfertigt, doch
entschuldigt, dass er nach dem Kusse sozusagen wieder tugendhaft wurde, und nicht
des leibhaften Teufels lebendig. Ich stelle keck unter die Milderunggründe seine
Unbekanntschaft mit solchen Weibern, die, gleich den Spartern, mutig nicht nach
der Zahl der Feinde ihrer Tugend fragen, sondern nach dem Orte derselben; er war
wohl oft bei ihnen und in ihrem Lager, aber seine Tugend hinderte sie, ihm die
ihrige zu zeigen. - Nicht so viel wie durch jenes wird er durch die Einwirkung
des Nachtwächters und durch das Erinnern an den Tod entschuldigt; denn dieses
muss selber entschuldigt werden; - es ist aber auch nur gar zu gewiss, dass gewisse
Menschen, die zu Philosophen oder auch zu Dichtern organisiert sind, gerade
dann, und zwar allemal, statt ihres Zustandes allgemeine Ideen beschauen, wo es
andere gar nicht können und wo sie nichts sind als Ich, nämlich in den größten
Gefahren, in den größten Leiden, in den größten Freuden. -
    Ein Billiger schiebt alles auf den Apotheker, der Viktors moralischer und
mechanischer Bettzopf oder Bettaufhelfer war; denn da der ihm den edlen Matz in
einer ähnlichen Lage (aber ohne Bettzopf) vorgemalet hatte: so wurde der
Abscheu, welchen Viktor einige Tage vorher gegen des Evangelisten Betragen
empfunden hatte, in ihm zum lähmenden Unvermögen, einige Tage darauf im
geringsten es zu kopieren. - O wenn wir doch jede Sünde, zu der wir oder andre
uns versuchen, ein paar Tage vorher von einem wahren Schuft begehen sähen, den
wir anspeien! - Könnten wir dann dem Schufte nacheifern?
    Endlich braucht man nur zu Viktor in den Erker, wo er jetzo sitzt in einem
sonderbaren Barometerstande, hinzusehen, wenn man den vorigen beurteilen will.
Sein jetziger ist nämlich eine Mischung von Leerheit, Unzufriedenheit (mit sich
und jedem), von größerer Liebe gegen Agnola, von Rechtfertigungen dieser Agnola,
und doch von einem Unvermögen, sie sich als eine nahe Freundin Klotildens zu
denken
