 Träumen das dreizehnte Jahrhundert schon ein
helleres gewesen und das achtzehnte bloß ein verklärtes zehntes?
    Unsere Wetterprophezeiungen aus der gegenwärtigen Temperatur sind logisch
richtig und historisch falsch, weil neue Zufälle, ein Erdbeben, ein Komet, die
Ströme des ganzen Dunstkreises umwenden. Kann der gedachte Mönch richtig
berechnen, wenn er solche künftige Größen wie Amerika, Schiesspulver und
Druckerschwärze nicht ansetzt? - Eine neue Religion - ein neuer Alexander - eine
neue Krankheit - ein neuer Franklin kann den Waldstrom, dessen Weg und Inhalt
wir auf unserer Rechenhaut verjüngen wollen, brechen, verschlucken, dämmen,
umlenken. - Noch liegen vier Weltteile voll angeketteter wilder Völker - ihre
Kette wird täglich dünner - die Zeit schliesset sie los - welche Verwüstung,
wenigstens Veränderungen müssen diese nicht auf dem kleinen bowling-green
unserer kultivierten Länder anrichten! - Gleichwohl müssen alle Völker der Erde
einmal zusammengegossen werden und sich in gemeinschaftlicher Gärung abklären,
wenn einmal dieser Lebens-Dunstkreis heiter werden soll.
    Können wir von einigen mit Eisenfeile und Scheidewasser (hier Lettern und
Druckschwärze) selbst angelegten Miniatur-Erdbeben und Vulkanen auf die
Ätnas-Ausbrüche schließen, d.h. von den Umwälzungen der wenigen gebildeten
Völker auf die der ungebildeten? Da wir setzen dürfen, dass das
Menschengeschlecht so viele Jahrtausende lebt als der Mensch Jahre: dürfen wir
schon aus dem sechsten Jahre dem Jünglings- und Mannsalter die Nativität
stellen? Dazu kommt, dass die Lebensbeschreibung dieses Kindes-Alters gerade am
magersten ist, und dass aufgewachte Völker - fast alle Weltteile liegen voll
schlafender - in einem Jahre mehr historischen Stoff und folglich mehr
Historiker erzeugen als ein eingeschlafnes Afrika in einem Jahrhundert. Wir
werden also aus der allgemeinen Weltistorie dann am besten prophezeien können,
wenn die erwachenden Völker ihre paar Millionen Nachtragbände gar dazugebunden
haben werden. - Alle wilde Völker scheinen nur unter einem Prägstock gewesen zu
sein; hingegen die Rändelmaschine der Kultur münzet jedes anders aus. Der
Nordamerikaner und der alte Deutsche gleichen sich stärker als Deutsche einander
aus benachbarten Jahrhunderten. Weder die Goldne Bulle, noch die Magna charta,
noch den Kode noir konnte Aristoteles in seine Regierund Gehorch-Formen
hineinlegen: sonst hätt' er sie weiter gemacht; aber getrauen wir uns denn, den
künftigen Nationalkonvent in der Mungalei oder die Dekretalbriefe und
Extravaganten des aufgeklärten Dalai Lama oder die Rezesse der arabischen
Reichs-Ritterschaft besser vorherzusehen? Da die Natur kein Volk mit einem
Münzstempel und einer Hand allein ausprägt, sondern mit tausenden auf einmal -
daher auf dem deutschen ein größeres Gedränge von Abdrücken ist als auf
Achilles' Schild -: wie wollen wir, die wir nicht einmal die vergangenen, aber
einfacheren Umwälzungen des Erdballs nachrechnen können, in die moralischen
seiner Bewohner schauen? - -
    Von allem, was aus diesen Prämissen folgt,
