 es nötig war. Sie bat ihn scherzhaft, sie
um Vergebung zu bitten, und machte ihn mit ihrem Platzgolde von Jähzorn bekannt.
    Zwei Tage lang wurde der Westfälische Friede gehalten.
    Aber eine Zänkerei mit einem Mädchen macht, wie ein Narr, zehen; und zum
Unglück hat man die Zornige nur lieber (wenigstens mehr als die Gleichgültige),
so wie das Volk den metodistischen Predigern am meisten zuläuft, die es am
stärksten verdammen. Joachime wurde täglich zornfähiger - welches er größerer
Liebe zuschrieb -, aber er auch. Sie konnten den ganzen Besuch im schönsten
Reichs- und Hausfrieden verbracht haben: beim Abschiede wurde alles auf den
Kriegsetat gesetzt, die Gesandten zurückberufen und die Beurlaubten, wenn mir
diese poetischen Ausdrücke erlaubt sind. Mit dem zornigen Bodensatz im Herzen
zog er dann ab und konnte kaum den Augenblick des Wiedersehens - d.h. seiner
oder ihrer Rechtfertigung - erwarten. So brachten sie ihre Stunden mit dem
Schreiben der Friedeinstrumente und der Manifeste zu. Die streitige Sache war so
sonderbar wie der Streit: es betraf ihre Foderungen der Freundschaft; jedes
bewies, das andre wäre der Schuldner und fodere zu viel. Was unsern Medikus am
meisten erboste, war, dass sie dem feinen und dem wohlriechenden Narren, ihr die
Hand zu küssen, erlaubte, ihm aber verbot, und zwar ohne alle Entscheidgründe.
»Wenn sie nur löge und mir sagte: darum, oder darum! so wär's doch was«, sagt'
er; aber sie tat ihm den Gefallen nicht. Für mein Geschlecht ist Abschlagen ohne
Gründe, sogar ohne erratene, ein Schwefelpfuhl, ein dreifacher Tod; auf Joachime
wirkten Gründe und Kabinettpredigten gleichviel.
                               Extrablatt darüber
Ich habe hundertmal, mit meinem juristischen onus probandi (Last zu beweisen)
auf dem Buckel, an die Weiber gedacht, die imstande sind, durch einige
Anstrengung sowohl ohne alle Gründe zu handeln als zu glauben. Denn am Ende muss
doch jeder (nach allen Philosophen) sich zu Handlungen und Meinungen bequemen,
denen Gründe fehlen; denn da jeder Grund sich auf einen neuen beruft, und dieser
sich wieder auf einen stützt, der uns zu einem schickt, welcher wieder seinen
haben muss: so müssen wir (wenn wir nicht ewig gehen und suchen wollen) endlich
zu einem gelangen, den wir ohne allen Grund annehmen. Nur fehlt der Gelehrte
darin, dass er gerade die wichtigsten Wahrheiten - die obersten Prinzipien der
Moral, der Metaphysik etc. - ohne Gründe glaubt und sie in der Angst - er will
sich dadurch helfen - notwendige Wahrheiten benennt. Die Frau hingegen macht
kleinere Wahrheiten - z.B. es muss morgen weggefahren, eingeladen, gewaschen
werden etc. - zu notwendigen Wahrheiten, die ohne die Assekuranz
