 lassen. Jenner sagte zu Viktor, dem er das Auge zeigte:
»Der heilige Januar wird mit Ihnen, mit der heiligen Ottilia, verwechselt« - die
bekanntlich die Patronin der Augen ist.
    Viktor war froh, dass Matthieu zu ihm kam, um mit ihm nach St. Lüne zu gehen;
denn dieser bat ihn, weil dieses ohne ihn geschehen, mit zu seiner Mutter zu
gehen, »weil heute bei der Fürstin großes Souper sei, bei seiner Mutter aber
kein Mensch«, d.h. kaum über neun Personen. Viktor zog also - es tat heute
nichts, dass die fürstliche Augendulderin fehlte - gern in die Schleunessche
Nürnbergische Konvertitenbibliotek von Töchtern hinein hinter dem zärtlichen
Jonathan-Orest-Matz, den er überhaupt jetzt aus Schonung für ihren allgemeinen
Freund Flamin toleranter behandelte. Die Menschen vergesellschaften sich wie die
Ideen ebensooft nach der Gleichzeitigkeit als nach der Ähnlichkeit; und aus der
Wahl der Bekannten ist ebensowenig etwas auf den Charakter des Jünglings zu
schließen, als auf einer Frau ihren aus der Wahl des Gatten. Matthieu stellte
ihn seiner Mutter im Lesekabinette, da ihr gerade aus einem englischen Autor
vorgelesen wurde, mit den Worten vor: »Hier bring' ich Ihnen einen ganz
lebendigen Engländer.« Joachime las in einem Verzeichnisse - es war kein
Bücher-, sondern ein Nelkenblätterverzeichnis -, um sich einige Nelken
auszusuchen, nicht um sie zu pflanzen, sondern sie nachzumachen in Seide. Sie
hasste Blumen, die wuchsen. Ihr Bruder sagte aus Ironie: »sie hasste die
Veränderlichkeit sogar an einer Blume.« Denn sie liebte sie sogar an Liebhabern;
und unterschied sich ganz vom April, der wie die Weiber in unserem Klima weit
beständiger ist, als man vorgibt. Im Kabinett waren noch zwei Narren da, die mir
mein Korrespondent nicht einmal nennt, weit sie, glaubt er, hinlänglich
bezeichnet und geschieden wären, wenn ich den einen den wohlriechenden Narren
nennte, und den andern den feinen.
    Beide Narren umsummten die Schöne. Überhaupt, sooft ich Narren in großen
Partien studieren wollte, sah ich mich ordentlicherweise nach einer großen
Schönheit um; - diese umsassen sie wie Wespen eine Obstfrau. Und wenn ich sonst
keine Ursache hätte - ich habe sie aber -, um die schönste Frau zu ehelichen: so
tät' ichs schon darum, damit ich immer die Bienenkönigin in der hohlen Hand
sitzend hielte, der der ganze närrische Immenschwarm nachbrauste. Ich und meine
Frau würden dann den Kerlen in Lissabon gleichen, die, in den Händen mit einem
Stänglein angeketteter Papageien, an den Füßen mit einer Kuppel nachhüpfender
Affen, durch die Gassen ziehen und ihr tolles Personale feilbieten.
    Der wohlriechende Narr, der heute in der Sonnenseite Joachimens war, las der
Mutter
