 auf seine Messiasin wie ein Jude passet und der noch ohne
den höchsten Gegenstand des Herzens ist, von ungefähr mit einer Tanz-Hälfte, mit
einer Klubistin oder Associée oder Amtschwester oder sonstigen Mitarbeiterin
hundert Seiten in den Wahlverwandtschaften oder in den Hundposttagen lieset -
oder mit ihr über den Kleebau oder Seidenbau oder über Kants Prolegomena drei
bis vier Briefe wechselt - oder ihr fünfmal den Puder mit dem Pudermesser von
der Stirne kehrt - oder neben und mit ihr betäubende Säbelbohnen anbindet - oder
gar in der Geisterstunde (die ebensooft zur Schäferstunde wird) über den ersten
Grundsatz in der Moral uneins wird: so ist soviel gewiss, dass der besagte
Jüngling (wenn anders Feinheit, Gefühl und Besonnenheit einander die Waage in
ihm halten) ein wenig toll tun und für die besagte Mitarbeiterin (wenn sie
anders nicht mit Höckern des Kopfes oder Herzens an seine Fühlfäden stösset)
etwas empfinden muss, das zu warm ist für die Freundschaft und zu unreif für die
Liebe, das an jene grenzt, weil es mehre Gegenstände einschliesst, und an diese,
weil es an dieser stirbt. Und das ist ja eben nichts anders als meine Gesamt-
oder Zugleichliebe, die ich sonst Simultan- und Tuttiliebe genannt. Beispiele
sind verhasst: sonst zög' ich meines an. Diese Universalliebe ist ein
ungegliederter Faustandschuh, in den, weil keine Verschläge die vier Finger
trennen, jede Hand leichtlich hineinfährt - in die Partialliebe oder in den
Fingerhandschuh drängt sich nur eine einzige Hand. Da ich zuerst diese Sache und
Insel entdeckt habe: so kann ich ihr den Namen schenken, womit sie andre nennen
und rufen müssen. Man soll sie künftighin die Samm- oder Zugleichliebe benamsen,
ob ich sie gleich auch, wenn ich und Kolbe wollten, die Präludierliebe - die
Maskopei-Zärtlichkeit - die General-Wärme - die Einkindschafttreue nennen lassen
könnte.
    Den Theologen und ihrer Kannengiesserei von den Endabsichten zu Gefallen
werf' ich noch diesen festen Grundsatz her: ich möchte den sehen, ders ohne die
Sammliebe in unsern Zeiten, wo die einspännige Liebe durch die Foderungen eines
größeren metallischen und moralischen Eingebrachten seltener wird, drei Jahre
aushielte.
    2) Die zweite Ursache von Viktors Weiber-Liebhaberei war sein Muttermal,
d.h. eine Ähnlichkeit mit seiner und jeder Mutter. Er behauptete ohnehin, seine
Ideen hätten gerade den Schritt, d.h. den Sprung der weiblichen, und er hätte
überhaupt recht viel von einer Frau; wenigstens gleichen die Weiber ihm darin,
dass ihre Liebe durch Sprechen und Umgang entsteht. Ihre Liebe hat sicher noch
viel öfter mit Hass und Kälte angefangen als aufgehört. Aus einem aufgedrungenen
verhassten Bräutigam wird oft ein geliebter Ehemann. »Ich will,« - sagte er im
Hannöverischen - »wenn nicht
