 zugesichert wird. Für sich selbst
empfindet er weniger, als für andre, denn er verbirgt gänzlich den Gram, den ihm
der Prozess mit Burton notwendig machen muss, besonders da die Umstände für ihn
nichts weniger als günstig sein sollen. Ich nehme, seit ich ihn mehr kenne, den
wärmsten Anteil an allem, was ihn betrifft: so wie ich, sind alle seine Bekannte
seine Freunde. -
    Auch Deine Schwester habe ich mehrmals gesehen, sie grämt sich über Lovells
Abwesenheit, der sie wahrscheinlich öfter vergisst, als sie ihn, wie es denn
überhaupt wohl gewiss ist, dass das Herz eines zarten weiblichen Geschöpfs fester
und inniger an dem Gegenstande seiner Liebe hängt, ihm mit weit schöneren und
bleibendern Gefühlen entgegenkömmt, als ihr der Mann jemals zurückgeben kann. Es
ist mir hundertmal, ihr gegenüber eingefallen, dass ich glücklich sein würde,
wenn sie diese Anhänglichkeit und Liebe zu mir herübertragen könnte; ich habe
oft lange und aufmerksam die zarte und geistreiche Bildung ihres Gesichtes
studiert. Die Physiognomie Deiner Schwester gehört zu den interessantesten, zu
denen, die im flüchtigen Vorüberstreifen das Auge nicht fesseln, die aber im
stillen den Blick auf sich locken, unvermerkt das Herz in Bewegung setzen und
ein bleibendes Bild in der Phantasie zurücklassen. Ich habe hundertmal geträumt
- doch, lebe wohl, wer wird alle seine Träume erzählen? Ich bin jedesmal
aufgewacht- und wenn ich auch niemals Dein Schwager sein werde, so sei doch
überzeugt, dass ich unaufhörlich bleibe
                                                           Dein Freund Mortimer.
 
                                       2
                            Karl Wilmont an Mortimer
                                                                         Bondly.
Ja, Freund, bald, vielleicht in wenigen Tagen, seh ich Dich wieder, es ist
endlich Zeit, dass ich Bondly verlasse. Oder ich hätte es vielmehr früher
verlassen sollen, denn um meine ganze Ruhe wieder mitzubringen, ist es jetzt zu
spät. Wie viele Lächerrlichkeiten und Widersprüche im menschlichen Leben! Seit
Monaten trag ich mich nun mit einer Wunde, deren Verschlimmerung ich recht gut
wahrnahm, die ich aber nicht zu heilen suchte, außer jetzt, wo sie vielleicht
unheilbar ist. Manche Moralisten mögen dagegen sagen, was sie wollen, ich
wenigstens finde gerade darin einen Trost, dass ich an meinem Schaden selber
schuld bin; ich weiß, wie er nach und nach durch meine eigne Nachlässigkeit
entstanden ist, und indem ich der Geschichte dieser Entstehung nachgehe, und für
jede Wirkung eine hinreichende Ursache entdecke, falle ich unvermerkt in eine
Art von Philosophie, und gebe mich so über das Unabänderliche zufrieden. Ein
Unglück würde mich im Gegenteil toll machen können, das so mit einem Male, wie
aus den Wolken auf mich herabfiele, wo unser Verstand sich lahm räsonniert, die
Ursache davon aufzufinden - ein Rippenstoss, den mir eine unsichtbare Hand
beibringt: - nein,
