 gegen Deinen Antrag einzuwenden haben möchte.
Dass ihr jungen Leute doch so gar leicht glaubt, die Ideen eines alten erfahrnen
Mannes zu erschöpfen: ihr seht nur mit einem Blicke der Phantasie in die
Verhältnisse der Welt hinein, wenn ihr glaubt, mit dem Verstande alles reiflich
und von allen Seiten überlegt zu haben. Du weißt nicht, was ich für Dich tun
will und zum Teil schon getan habe; Du siehst nicht die Umstände, die sich
günstig vereinigen, um Dir die Bahn zum Glücke zu ebnen: was Dein Vater seit
Jahren mühsam zusammenträgt, darfst Du nicht wie ein mutwilliger Knabe mit einem
einzigen Steinwurfe vernichten. - Nein, mein Sohn, ich kann Dir zu Deiner
vorgeschlagenen Verbindung nie meine Einwilligung geben. Glaube nicht durch eine
Menge von Briefen über diesen Gegenstand meine Einwilligung zu erbitten, oder zu
ertrotzen, ich dürfte hierin mehr Standhaftigkeit besitzen, als Du mir
vielleicht zutraust.
    Führe nicht meine Liebe zu Deiner Mutter an; ich liebte nicht töricht, wie
Du; unsre Familien waren sich gleich, an Ansehen und Vermögen; mögen diese
Hindernisse Zufall sein; meinetwegen, aber der weise Mann geht dem
undurchdringlichen Zufalle aus dem Wege, da im Gegenteile das Leben des Toren
nichts als ein rastloser ohnmächtiger Kampf gegen Zufall und Notwendigkeit ist.
Glaube mir, dass ich meine Liebe würde zu bekämpfen gewusst haben, wenn sich diese
Schwierigkeiten unsrer Verbindung in den Weg gestellt hätten. Darum folge dem
Rate und dem Beispiele Deines Vaters.
    Es scheint mir überhaupt, als dürftest Du etwas die Vergleichung mit mir in
Ansehung unsrer Liebe scheuen. Deine Mutter war die verehrungswürdigste Frau,
sanft und verständig, gefühlvoll ohne Empfindelei, ein Herz schlug in ihrer
Brust, wie sie nur selten auf dieser Erde gefunden werden: und Du wagst es, mit
ihr Amalie Wilmont zu vergleichen? Ein Wesen, dessen Gutmütigkeit und Weichheit
sie vielleicht etwas aus den ganz gewöhnlichen Frauenzimmern herausheben. - Und
dann liebst Du sie auch nicht einmal wirklich! - Diese sogenannte Liebe ist eine
leichte Nahrung Deiner Phantasie, eine sanfte Empfindsamkeit, die sich Deines
Herzens bemeistert hat und deren Ursprung Du nun in einer Liebe gegen dieses
Mädchen suchst. - Glaubst Du denn wirklich, dass Du mit einem Herzen voll Liebe
hättest nach Italien reisen können? bis jetzt froh und unbefangen leben und die
Luft da einziehn, wo sie nicht atmet? - Du siehst wenigstens, dass ich nicht die
Kälte von Dir verlange, die unbesonnene Jünglinge gewöhnlich ihren Vätern
vorwerfen; um desto mehr aber überzeuge Dich auch, dass ich in diesem
Verhältnisse richtiger und weiter sehe, als Du. - Schon im ersten Monate Eurer
Ehe würdet Ihr Euch beide getäuscht finden; man würde erstaunen, dass die Wärme
so schnell verflogen wäre; es würde
