, Menschen, und Umstände, wo die Leidenschaften
reger waren, geringer Umfang der Kunst, und Reiz der Neuheit müssen dabei in
Rechnung kommen. Auf ähnliche Weise machte wohl der Chor der Scyten in Glucks
Iphigenia in Tauris auf einen Amerikanischen Wilden zu Paris einen stärkeren
Eindruck, als dessen Se mai senti spirarti sul volto lieve fiato je auf einen
Neapolitaner.«
    »dabei glaub' ich jedoch selbst, dass die Alten die Verhältnisse der Töne
weit lebendiger und tiefer in ihren langsamern Bewegungen und der einfachen
Begleitung gefühlt haben, als wir.«
    Hier mischte sich Feierabend ins Gespräch, und sagte: »Die Musik der
Griechen ist uns ganz fremd und unbekannt, und wir können nicht einmal ihr
klassisches Zeitalter bestimmen. Welch ein ganz andres Ansehen hat nicht die
Musik nur seit funfzig Jahren in Neapel gewonnen!«
    »Wahrscheinlich war die Dorische Tonart ungefähr das, was bei uns C ist; und
die Phrygische, die Lydische, Aiolische, Ionische u.s.w. hatten schon daher,
(noch außer der besonderen Lage der Halbtöne, den eingeführten langsamem oder
raschern Bewegungen, der verschiedenen Poesie, auch den verschiedenen
Instrumenten, die sie begleiteten, und den verschiedenen Völkerschaften,) ihren
besonderen Charakter. Ohne Zweifel hat die Griechen hauptsächlich die
beschwerliche Art, die Töne und ihre Dauer zu bezeichnen, von einer höheren
Vollkommenheit und unsrer Harmonie zurückgehalten.«
    Lockmann antwortete darauf: »Man erzählt von unsern Urgrossvätern im zehnten,
elften und zwölften Jahrhundert, dass sie in ihrem musikalischen System nur die
sieben Töne c, d, e, f, g, a und h gehabt hätten, aus welchen sechs verschiedene
Tonarten entsprangen, nachdem jeder von denselben der Grundton wurde; das H,
welches damals B hieß, ausgenommen, weil dieses keine reine Quinte hatte. Der
Ton, welchen wir jetzt B nennen, soll zuerst zu den sieben Tönen erfunden worden
sein, um eine reine Quarte zu F zu erhalten, und damit das F zugleich eine
vollkommne Quint in der Tiefe hätte. Alsdann wären nach und nach Cis und Dis,
Fis und Gis noch dazu erfunden worden, und unser heutiges System erst spät in
dem sechzehnten Jahrhundert zu Stande gekommen.«
    »Diesen sechs Tonarten gab man alte Griechische Namen, und nannte C als
Grundton die Jonische, D die Dorische, E die Phrygische, F die Lydische, G die
Mixolydische, und endlich A die Aiolische Tonart.«
    »Nach der Lage der zwei Halbtöne in der Leiter entstand für jede Tonart ein
besondrer Charakter, der auch in den ältesten Chorälen herrscht. Wie viel davon
wirklich Griechisch sei, ist wohl schwerlich zu entscheiden. Vom Himmel hoch da
komm' ich her, ist Jonisch. Mit Fried und Freud fahr
