 kann! und dass kein Monochord da ist, um zu zeigen, wie haarscharf richtig
Sie Ihre Tonleiter sangen! die Sekunde C D in dem Verhältnis von Acht zu Neun;
die Sekunde D E wie Neun zu Zehn; die halben Töne E F, und H C wie Funfzehn zu
Sechzehn; wie C D die Sekunden F G und A H; und wie die Sekunde D E so G A.«
    »Dies sind auch genau die Verhältnisse unsers neueren diatonischen Systems.
Man leitet sie her aus den harmonischen Hälften. Die harmonische Hälfte der
Oktave gibt die reine Quinte; die harmonische Hälfte der Quinte die große Terz;
und die harmonische Hälfte der großen Terz den großen und kleinen Ton.«
    »Die nähere Ursach ist: das Ohr verlangt die Konsonanzen in der Leiter
vollkommen rein; deswegen nehmen wir dabei ein doppeltes Maß an: der Quinte,
und der großen Terz.«
    »Ein Französischer Gelehrter, der Abt Roussier, glaubte beweisen zu können,
die Aegyptier, Griechen und Chinesen hätten bei ihrer diatonischen Leiter nur
den einfachen Maßstab der Quinte gebraucht; die ganzen Töne wären durchaus der
Überschuss von zwei Quinten gewesen, in dem Verhältnisse von Acht zu Neun; die
große Terz und die halben Töne hätten sich danach richten müssen.«
    »Hauptsächlich daraus erklärt er die wunderbaren Wirkungen der Musik der
Alten, dass ihr heroisches Ohr sich das weichliche Vergnügen der neueren großen
Terz versagt habe; und diese Hypothese putzt er aus mit den Aegyptischen
Planeten und Tagen der Woche.«
    »Einige Französische Geistlichen hielten dafür, dass diese Meinung eine
Revoluzion in der Musik hervorbringen müsse; und dass die Kapelle Davids und
Salomons dadurch wieder hergestellt werden könne. Es hat aber natürlich kein
Hahn danach gekräht.«
    »Gewiss bringt die große Terz in dem Verhältnisse von 64 zu 81 eine andre
Wirkung hervor, als in dem von 4 zu 5; und es ist nicht zu leugnen, dass die
diatonische Leiter einen einfachern männlichern Schritt, und dabei einen
erhabnern Charakter erhält, welcher mit dem zu vergleichen wäre, was Winkelmann
in den bildenden Künsten den severen Griechischen Styl nennt: aber wahr bleibt
es immer, dass die große Terz in dem Verhältnisse von 4 zu 5 dem Ohr in der
reinsten, freiesten Schönheit lautet, und dass sie die tiefe Saite im Nachklang
darin schon selbst, wie in ihrer gehörigen Natur und Vollkommenheit, wo nichts
zu viel und zu wenig sein kann, angibt, und die alte in einem angestrengten
Zustand ist.«
    »Gegen seine Beweise möchte übrigens bei einer so dunklen Sache, wie die
Musik der Alten, manches einzuwenden sein. Die gewaltige Wirkung, die sie
zuweilen soll hervorgebracht haben, lässt sich leichter aus mehreren andern
Ursachen erklären; und Gegenden
