 sehr
merklich; E ist die große schöne Terz davon. Wir geben deswegen dem E dur den
Charakter himmlisch. Er ist das Höchste, wohin die schöne Natur steigt. Im H dur
verschwindet schon der Stand der Natur einigermaßen; und noch mehr in Fis dur,
das völlig gekünstelt ist.«
    »Das nämliche Verhältnis herrscht beim Niedersteigen. F dur ist, wenn ich
mich so ausdrücken darf, schon um einen Grad besonnener, als das junge frohe
Leben im C dur. B dur hat gleichsam die Würde von Magistratspersonen; und Es dur
geht in das Feierliche der Priesterschaft. As dur ist Majestät von König und
Königin. Des dur geht in den Schauder über vor verborgenen Persischen Sultanen,
oder Dämonen. Des dur und Fis dur bleiben deswegen auch die Grenze der
musikalischen Welt.«
    »Diese verschiedenen Charakter äußern sich jedoch in ihrer Stärke nur bei
Musiken von weitläufigem Umfang, als in ernstaften Opern und großen
Kirchenstücken, wo der Ton C dur auf irgend eine Weise als die reine vollkommen
schöne Natur in die Seelen gebracht sein sollte. Bei kleinen Sachen werden und
sind diese besonderen Charakter nicht sehr merklich. Ein Lied ohne Begleitung
singen Mädchen und Jüngling ohne viel Unterscheidung aus dem Tone, der sich am
besten für ihre Kehlen schickt.«
    »Auf diese Weise betrachtet geben also die zwölf Dur- und zwölf Moll-Töne
schon allein durch ihre bloßen Accorde vier und zwanzig Arten verschiedner
Existenz; und es erwächst der Musik daraus ein erstaunlicher Reichtum von
Ausdruck, wenn der Tonkünstler Kopf und Herz genug hat, die Kontraste in einem
großen Ganzen fühlbar zu machen.«
    »Die Musik überhaupt hat Kontraste, wie Tag und Nacht, wie schwarz und weiß,
süß und bitter, hart und weich. Die auffallendsten sind die enharmonischen
Gänge. Aus dem C dur in Cis dur, plötzlich, ist ein Ruck, wie in eine andre
Welt. Diese sind nur bei starken Katastrophen zu brauchen; man darf nie bloß
damit spielen, sonst verlieren sie ihre Wirkung. Bei Texten: er kann ihn nicht
mehr fassen, den Schmerz, der ihn allmächtig drückt; in jeder Ader wühlt ein
Dolch4! oder: Mors stupebit et natura, dum resurget creatura5, ist ihre rechte
Stelle.«
    »Der so genannte harte Dreiklang drückt überhaupt volle Existenz aus.«
    »Der weiche Dreiklang zeigt an, dass uns etwas fehlt; und darüber
Zärtlichkeit, Rührung, Traurigkeit allerlei Art.«
    »Der verminderte Dreiklang, wo zur kleinen Terz noch die kleine oder falsche
Quint hinzukommt, zeigt einen so großen Mangel der Existenz in dem Wesen, dass es
damit nicht bestehen kann.«
    »Der vergrößerte Dreiklang, wenn man ihn annehmen will, wo zur großen Terz
die übermäßige Quinte
