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Nascondimi di quel seno l'acerba ferità.«
    »Übrigens kann man den Ausdruck der einzelnen Intervallen, auch für die
bloße Melodie, weder im Aufsteigen, noch im Heruntergehen bestimmen, wenn man
nicht schon in der Harmonie der Dreiklänge damit anfängt. Zwei Töne machen noch
kein Ganzes aus; wenigstens muss der dritte hinzugedacht werden. Wer zum Beispiel
sagt: die kleine Terz ist traurig, die reine Quinte fröhlich; der müsste den
weichen Dreiklang aus traurig-fröhlich bestehen lassen. Und wenn er den Ausdruck
der großen Terz im Heruntergehen melancholisch schildert: so könnte ein Ding zum
Vorschein kommen, das traurig-fröhlich-melancholisch zu gleicher Zeit wäre.«
    »Die Vorhalte sind gleichsam Mitteltinten, die Harmonie zu verschmelzen; sie
können bei allen Accorden und deren Verwechselungen angebracht werden, geben
denselben oft einen starken Reiz, und machen die zufälligen Dissonanzen aus. Sie
drücken entweder ein Sträuben, oder eine Begierde aus bei Freude und Leid. Es
kommt auf Ort und Umstände an, ob sie edel oder unedel sind, ob sie Kraft und
Stärke, oder bloße Ziererei, Empfindelei und unerträgliche Künstelei zeigen.«
    »Der wichtigste unter ihnen ist der Vorhalt der None, welche die Terz und
Quinte bei sich hat, und sich dadurch von der Secund, unterscheidet. Das
Sträuben darin kann Widerwille und Hass werden.«
    »Und nächst der None der Vorhalt der Quarte, die sich zuweilen von ihrem
vorigen Vergnügen noch nicht losreißen kann, oder lüstern den neuen Genuss
beschaut.«
    »Sekunde, Quart, Sext, Septime und None können, jede einzeln, und mehr oder
weniger beisammen, den Vorhalt ausmachen; sie bleiben allezeit aus dem vorigen
Takt in dem neuen liegen. Quart und Sext sind die angenehmsten; besonders ist
die Sext ein ungemein reizender Übergang bei den Accorden der kleinen Septime:
ganz Jungfräulichkeit, die sich sträubt, doch von der Natur unüberwindlich
hingerissen wird. Sie sind die Quellen der Manieren im Singen und Spielen; und
aus ihnen entsteht gleichsam die gute Lebensart im Gesang.«
    »Das beste System für die Musik ist das, worin man das Ganze der Harmonie am
leichtesten übersehen, und die Regeln, nach welchen die großen Meister
gearbeitet haben, am richtigsten und fasslichsten entwickeln kann. Ein
bequemeres, als das alte war, erdachte Rameau; man sollte seine Verdienste nicht
verkennen, und endlich einmal in Deutschland aufhören, den Franzosen in ihm zu
verfolgen. Kirnberger machte es nur einfacher, und dabei vollständiger; einiges
Falsche, das man schon vorher bemerkt hatte, ward darin ausgemerzt. Aber noch
immer finden sich Schwierigkeiten in den Versetzungen der Septimenaccorde, und
den Vorhalten, wo beide sich in einander verlieren; die Natur unterwirft sich
nirgends so ganz der
