 fort: »Wir haben schon so viel Musik durchgegangen, dass es
keiner andern dazu bedarf.«
    »Eigentlich aber sind nur ein gutes Fortepiano, die Stimme einer Hildegard,
ein reines wohlgebildetes Gehör, und ein fühlendes Herz dazu nötig, um die an
und für sich wesentlich verschiedenen Charakter der Accorde zu erkennen. Die
Ausbildung derselben zum wirklichen Leben richtet sich freilich nach den Worten
und Personen, wie alles Einzelne in der Natur nach Ort und Umständen. Die Eiche
bleibt aber immer Eiche, sie mag hundert Fuß hoch sein, oder nur so eben aus dem
Kern hervorsprossen; die Zeder bleibt Zeder, sie mag auf den Höhen des Libanon
den Stürmen Trotz bieten, oder in einem Englischen Garten zur Verzierung
angepflanzt sein. Die Bildung des Menschen richtet sich nach jedem Klima; doch
überall ist er der Herr der Schöpfung.«
    »Die Töne bestehen aus einem so zarten Elemente, dass sie sich geschmeidig
nach der Verschiedenheit aller Kehlen und Instrumente, und überhaupt der
Materie, durch die sie hervorgebracht werden, richten. Doch überall bleibt das
Allgemeine, ihr Verhältnis von Höhe und Tiefe und Dauer zu einander; und der
Charakter, der Ausdruck desselben.«
    Während dieser Einleitung waren sie nach Hause, und bis in den Musiksaal
gekommen. Hildegard hielt sich noch ein wenig in der Küche auf; unterdessen
stimmte Lockmann das Klavier, und fing an, als sie hereintrat.
    »Das Beständige und Allgemeine des Ausdrucks liegt in der Harmonie und dem
Rhythmus; die Melodie schöpft aus beiden ihr Lebendiges.«
    »Die Griechen vernachlässigten die erstre; wir Neuern den letztern.«
    »Harmonie und Disharmonie ist leichtes oder schweres Verhältnis der
Luftschwingungen in verschiedenen Formen, und verschiedenen Graden von
Geschwindigkeit für das menschliche Ohr.«
    »Die verschiedenen Formen entstehen durch Verschiedenheit der Kehlen und
Instrumente. Diese Art von Harmonie und Disharmonie ist, was Wirkung betrifft,
noch wenig untersucht worden; man hat sie, ungeachtet ihrer großen Wichtigkeit,
immer dem eignen Gefühl der Komponisten, und übrigens meistens dem Ungefähr
überlassen.«
    »Die leichten und angenehmen Verhältnisse gehen bis auf die Zahl Sechs, von
1, 2, 3, 4, 5 und 6; und bis auf die mehrfache Verdoppelung dieser Zahlen. Die
Natur selbst hat das Ohr des Menschen danach geformt; die Bogengänge des
Labyrints sind gerad' in den Verhältnissen der Hauptkonsonanzen - der Oktav,
reinen Quinte und großen Terz - 2, 3, 517.«
    »Wenn das große tiefe E Eine Schwingung macht, so macht in derselben Zeit
das ungestrichne C deren zwei, das ungestrichne G drei, das eingestrichne C vier
, das eingestrichne E fünf, und das eingestrichne G sechs.«
    »Und hier haben wir alle Töne, die man
