 dem luftigen Wesen oft erbärmlich nach. Wie
muss sich Achilles zum Beispiel plagen, die Worte, selbst der Französischen, die
im gewöhnlichen Leben so geschmeidig ist, Kalcas d'un trait mortel percé, mit
dem flammenden Strahl der Gluckischen Melodie zu gatten - -!«
    »Man sollte glauben, die Geschwindigkeit wäre übertrieben; aber sie hat
wirklich Grund in den Verhältnissen unsers Fünf- oder Sechsoktavensystems. Das
tiefste C auf unsern Kontrebässen verhält sich schon gegen das dreigestrichne
der Geigen gerade wie Eins zu Zwei und dreißig. Wenn also die Bässe ein Paar
Polyphemsschritte tun, laufen oder stiegen vielmehr die Geigen, Flöten und
Hoboen, und auch die Stimmen der Marchesi und Todi, ganz natürlich deren zwei
und dreißig.«
    »Wir können, besonders in der Instrumentalmusik, aus ganzen und halben
Schlägen, Vierteln, Achteln, Sechzehnteilen und Zwei- und Dreissigteilen eine
solche Menge verschiedner Füße oder Takte zusammensetzen, dass die zwei Dutzend
Griechischen weit zurückbleiben müssen. Man sollte sie wohl einmal zählen und
ordnen, und die verschiedenen schönsten Formen nach vortrefflichen Mustern in
Klassen bringen. Bis jetzt sind sie bloß dem Instinkt überlassen worden. Die
Kunst der Musik erhebt sich schon dadurch allein über den Ausdruck der Sprachen
in allem, was Bewegung, Leben und Leidenschaft betrifft; und kann in der Folge zu
einer weit höheren Vollkommenheit gelangen.«
    »O, wie wünscht' ich,« fiel Hildegard ein, »dass der gute alte Reinhold
hierbei zugegen wäre!«
    »Wollen wir tiefer philosophiren,« fuhr Lockmann ferner fort, »so gibt uns
die Musik in ihrer Mannigfaltigkeit gleichsam die allerfeinsten Elemente der
Zeit. Die Sekunde, womit wir die Minute, und die Minute, womit wir die Stunde
messen, passen so ziemlich für die gewöhnlichen Pulsschläge unsers Lebens. Die
Vocale der Töne und Sprachen aber können wie Blitze nach der Schnelligkeit
unsrer Gedanken, Gefühle und Handlungen entstehen und verschwinden.«
    »Die Füße insgesamt sind die mannigfaltigen Formen der Bewegung in ihrer
Reinheit von der Materie abgesondert. Die Mittel, wodurch sie sich dem Gehör
äußern, sind Töne und Worte; und durch Töne und Worte stellt die Kunst die
Wirklichkeit in der Natur selbst dar.«
    »Wir wollen also zum Beispiel nur die Wirklichkeit aufsuchen, die der
allgemeinste Fuß in allen Sprachen, der Jambos, darstellt -; und dies am
Menschen. Er bewegt sich am öftesten mit Händen, Armen, Füßen und Beinen. Wir
finden gleich die Form, wenn er mit der Rechten aushohlt und zuschlägt. Die
kurze Sylbe drückt die Bewegung aus, und die lange die auffallende Kraft. An den
Beinen ist sie ein Sprung, ein rasch fortgesetzter Doppelschritt. Wollen wir
noch andre Teile des Körpers nehmen? Ein zum Kusse gehaschter
