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    »Diese zarte, aber höchst wichtige Materie hat man bei uns noch gar wenig
untersucht. Sie ist auch so verwickelt, dass ich befürchte, langweilig,
pedantisch zu werden, und Ihnen beschwerlich zu fallen, wenn ich nur das
Wesentlichste auseinander setze.«
    Hildegard fasste ihn bei der Hand mit sanftem Druck, der ihm süß durch alle
Nerven fuhr, und bat inständigst, ihr dies Vergnügen nicht zu versagen.
    »Sie werden die Geduld verlieren,« erwiderte er, und hohlte Bleistift und
Papier aus seiner Brieftasche. »Um die Sache Ihrem Gedächtnisse zu erleichtern,
will ich Ihnen die fremden Wörter dabei aufschreiben.«
    »Poesie, auf den ersten Anblick, ist die Kunst, mit Worten in abgemessnen
Sylben ein Ganzes für die Einbildungskraft darzustellen. Und so ist Musik die
Kunst, mit abgemessnen Tönen, durch Kehlen und Instrumente dasselbe zu bewirken.«
    »Maß haben also beide gemeinschaftlich: durch die Verschiedenheit desselben
entstehen bei jener verschiedene Sylben, Füße und Versarten; bei dieser Töne, die
an Höhe, Tiefe und Dauer verschieden sind.«
    »Takt ist ein bestimmtes fortgehendes Maß der Bewegung, die vom feierlichen
Schritt hoher Priester und Könige, bis zur Eile des Blitzes, alle Grade haben
kann.«
    »Rhythmus ist Verhältnis derselben nach der Natur der Gegenstände,
Empfindungen und Gefühle durch die Teile des Ganzen; und gleichsam Flügelschlag
und Schweben. Obschon der Mensch keine körperliche Flügel hat, so scheint doch
seine Seele sie zu haben, um von einer Idee, einer Empfindung, einem Gedanken
auf andre zu kommen: ein schönes sinnliches Bild, das Platon eingeführt hat.
Nach seiner Lust frei fortfliegen; angreifen, jagen und fangen; fliehen und sich
retten: dies alles hat seinen besonderen Rhythmus in Tönen, in Prosa und in
Versen. Musik, und schon Poesie für sich, verlangt kürzere Absätze, als Prose,
weil man darin in stärkeren Tönen spricht, und öfter Atem schöpfen muss.«
    »Zwei, drei, oder vier gleiche Teile machen wieder den Takt aus; alle Arten
desselben sind aus zwei, drei, oder vier zusammengesetzt.«
    »Die Musik unterscheidet sich von der gewöhnlichen Aussprache durch bestimmt
abgemessene Töne; und darin liegt bereits die Notwendigkeit des Takts.«
    »Mit dessen Teilen verhält es sich, wie mit den Sylben der Füße bei Versen.
In der Poesie der Griechen müssen wir dessen Mannigfaltigkeit und Vollkommenheit
aufspüren, da alle andern Sprachen, besonders die neueren, selbst die
Italiänische, von der Vollkommenheit der ihrigen so weit abstehen.«
    »Ihr schnellster und kürzester Fuß besteht aus zwei kurzen Sylben.«
                         Pyrrichios.
»Ein Waffentanz hatte den Namen davon. Dieser Takt fehlt uns; er müsste der
Zweisechzehnteltakt sein. In Balleten
