 an
Natur und Darstellung weit unter dem Griechen.«
    »Man muss Glucks Musik aufführen hören, wenn man nicht selbst etwas von
seiner Phantasie und seinem dichterischen Gefühl hat, um ihm Gerechtigkeit
widerfahren zu lassen; es kommt hier immer darauf an, dass der Nagel auf den Kopf
getroffen wird, wenn es auch an und für sich hart lautet, und nicht auf hübsche
Phrasen und Artigkeit darum her.«
    »So hält jedermann von Sinn, Gefühl und Verstand, der die Ouvertüre vor dem
Schauspiel gehört hat, sie für die Königin aller Ouvertüren; und sie ist in der
Tat ein gewaltiger Polyphem, der sich bäumt und schüttelt, und voll Zorn zum
Kampfe rüstet. Der reizende neue Eingang, der die Gefühle Agamemnons ankündigt,
alsdann die Einheit des Ausdrucks vom wilden Charakter des tobenden Volks, und
die rührenden zärtlichen und tragischen Accente dazwischen, erheben sie über
jede andre; alles in ihr bedeutet. Der Satz, wo sich die Instrumente in den
Einklang stürzen und darin und in Oktaven furchtbar aufsteigen, stellt gerade
das sich empörende Volk vortrefflich dar, das sich wie ein wildes Ross bäumt und
nicht mehr leiten und bändigen lässt. Die Griechen würden diese Ouvertüre in
ihrer Art vielleicht noch über jenes berühmte Gemälde setzen, welches das Volk
von Athen vorstellte.«
    »Komisch fühlte die Wahrheit dieses Ausdrucks so gar ein Kunstrichter, der,
bloß die Noten vor Augen, nicht die geringste Ahndung von dem Gegenstand in der
Natur dazu hatte, als er das Urteil niederschrieb, welches ich unter andern zu
Ihrem Zeitvertreib mitbringe: Die abgestossnen acht Achtteile gegen die folgende
sforzando gehaltne Dreivierteilnote, plumpen so ungeschickt auf einander, dass
man glauben muss, der Herr Ritter habe uns ein Beispiel eines musikalischen
Satzes geben wollen, durch den man jedermann stutzig machen könne. Auch haben
wir die Probe damit gemacht, und befunden, dass er seine vollkommne Wirkung tut
und richtig jedermann zum Erstaunen bringt. Diese Wirkung äußert sich gewöhnlich
zuerst durch die mit einem verwunderungsvollen Ton ausgesprochne Frage: Was? ist
das möglich?«
    »Man braucht nur hinzuzufügen: können Griechen so barbarisch sein, und eine
reizende junge Königstochter abschlachten wollen? sich empören gegen ihren
Heerführer, den Vater, und gegen ihren größten Helden, den Verlobten derselben,
weil ihnen zur Abfahrt der Wind ausbleibt?«
    »Diese Symphonie kündigt mit erstaunlicher tragischer Majestät erst in der
Wehmut der bittersten Dissonanzen, und dann in der größten Fülle und Stärke von
breiten Tonmassen, durch Geigen und Bässe, Hoboen, Flöten, Hörner, Trompeten und
Pauken, das Ganze an. Sie ist viel ausgebildeter und leidenschaftlicher, als die
vor der Alceste. Der Anfang ist traurig in C moll, neunzehn Takte lang. Darauf
kommt C dur in wilder Stärke
