 Solche
Chöre sind weiter nichts, als ein Schreien der Not, des allgemeinen Verlangens
und Willens, und machen, recht angebracht, erstaunliche Wirkung. Feuer! Feuer!
Hilfe! Wir ertrinken; rettet! Zu den Waffen! die Feinde! Das No! der Furien im
Orfeo.«
    »Dies ist der eigentliche teatralische Chor.«
    »Der Griechische stellte eine Person vor; der Anführer sprach im Namen der
Menge. Die Dichter Atens mussten sich vom festlichen Ursprung des Schauspiels
her lange damit plagen; und er zerstörte - was auch ihr eifrigster Bewundrer
nicht leugnen wird, wenn er nur an die Medea des Euripides denkt - die Täuschung
in ihren besten Werken.«
    »Unsre mehrsten Chöre sind künstlich, wohin die in der Kirchenmusik gehören.
Man nimmt an, ein Volk, eine Gemeinde singe schon gemachte Psalmen; ein
Tonkünstler habe die beste Melodie und Harmonie dazu in Noten gesetzt.«
    »Solche Chöre sind nicht für das Theater; sie hindern die Täuschung.«
    »Inzwischen wenn sie einmal schon im Gebrauch sind, wie bei den Franzosen,
so fällt ihr Unnatürliches und Gekünsteltes weniger auf. Man will eben bei jedem
großen Ganzen, wie eine Oper ist, von einzelnen Stimmen an, bis zu Duetten und
Terzetten, die höchste Gewalt und Stärke aller Kehlen und Instrumente beisammen
haben.«
    »Wo der Stoff es mit sich bringt, ist es schön und gut und prachtvoll. Wo es
aber herbei gezwungen wird, macht es für jeden Vernünftigen ein tolles Geplärr;
und die Wirkung fällt, durch den häufigen Missbrauch von Stümpern, auch bei guten
und natürlichen Chören weg. Das Volk, dessen taubes Gehör hauptsächlich nur
dadurch gereizt werden kann, wird einem ein Gräuel.«
    »Chöre, Tänze und Posaunen können eben so übel angebracht werden, als
Ritornelle und Läufe.«
    »Um die Einheit des Ganzen desto mehr hervorzubringen, und das Abstechende
zu entfernen oder zu verschmelzen, hat Gluck das Rezitativ meistens mit
Instrumenten begleitet.«
    »Für die Französische Sprache mag dies sehr dienlich sein; die Italiänische
bedarf der Kleiderpracht weit weniger. Das Geschleppe, gleichsam von vielen
Bedienten, wird endlich doch lästig. Die Italiener regen sich in ihrer bloßen
Declamazion weit freier und leichter. Für eine Königin Alceste, für den Hof
eines Agamemnon, einer Klytämnestra, ist das Gepränge schicklich; man darf es
nur nicht zur Regel und allgemein machen wollen.«
    »Um wieder dahin zurück zu kommen, wo wir ausgingen - ein Deutscher
Kunstrichter hat, im Zorn über Glucks Reformazion, die Poesie gewaltig herunter
zu setzen geglaubt, indem er Rousseau's Worte in dessen musikalischem
Wörterbuche: Les Airs de nos Opera sont, pour ainsi dire, la toile, ou le fond
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