 einfach begleitet, um den Ausdruck recht klar zu machen. Es
erinnert mich lebhaft an die Gewalt einer himmlischen Stimme in Venedig, die
durchaus Solo, vom bloßen Orgelbass in der tieferen Oktave der Melodie begleitet,
einen Psalm bei, Nacht in der Kirche sang. Was für einen Lärm würde ein
Tonkünstler ohne Erfahrung, ohne Kenntnis dessen was wirkt, auf confregit
gemacht haben!«
    »Judicabit in nationibus, (Solo, und darauf immer Chorus) implebit ruinas.
Mit vortrefflicher Begleitung, prächtig und reizend.«
    »Konquassabit capita in terra multorum, bloß Chorus von Stimmen, in Absätzen
von Instrumenten verstärkt, fugirt, von großer Wirkung im alten Kirchenstyl.
Dies macht gewissermaassen den Kern. Hörner und Hoboen fallen herrlich ein, und
die Harmonie ist klar und leicht bei der Verflechtung der Stimmen.«
    »Nun wieder Solo. De torrente in vis bibet, propterea exaltabit caput. Eine
Leichtigkeit, Musik hinzuzaubern, die schon an und für sich selbst entzückt bei
so schöner Melodie und Begleitung.«
    »Das Solo darauf: Gloria patri, gloria filio et spiritui sancto, ist hier
und da zu leichtfertig behandelt. Zwei Accorde, A moll und G dur, folgen ganz
ohne Verbindung zu grell auf einander. Dieses ist aber auch das einzige
Mittelmässige im Ganzen.«
    »Das Sicut erat in principio et nunc et semper, erhebt sich darauf desto
prächtiger in himmlischen Solos und Chören, und schließt und rundet majestätisch
das Ganze mit Wiederholung der Begleitung im Anfang.«
    »Das Amen ist recht feierlich mit Windungen der Stimmen auf Orgelpunkten
ausgearbeitet. Das Schönste vom Ganzen wird wiederhohlt, das Amen fugirt; ein
Chor des Paradieses.«
    Das Schwere ward einigemal probirt, bis es nach Wunsch gelang; und dann gab
Lockmann jedem seine Stimme mit nach Hause.
    Des Abends ging er zu Hildegarden, um sich mit ihr wegen des, nächsten
Konzerts zu besprechen. Sie kamen mit einander überein, ihm mehr Abwechselung
als gewöhnlich zu geben. Frau von Lupfen sollte sich auf dem Klavier, und Frank
auf der Hoboe hören lassen.
    Er hatte den Alessandro nelle Indie von Majo bei sich; sie wählten daraus
nur das göttliche Duett zwischen Poro und der Kleofide: Se mai turbo il tuo
riposo, pace mai non abbia il cor24. Hildegard sagte selbst, dass die Melodie
wahrer Engelsgesang sei, besonders durch die halben Töne bei der letzten Stelle.
    In der Szene Poro dunque mori, und der Arie dazu: Se il ciel mi divide dal
caro mio sposo25, zog Hildegard Piccini's Komposition, die unter ihrer Musik
war, für ihre Stimme vor. Lockmann sagte: »Weder Piccini, noch Majo, noch
Traetta haben Kleofiden so als verliebte Schwärmerin dargestellt, wie sie
