 war alles und so
wird alles sein! Nichts ist vergänglich, als der eine der genießt und zuschaut.
Hier dieses Bild der Mutter, die ihr Kind ans Herz drückt, wird viele
Generationen glücklicher Mütter überleben. Nach Jahrhunderten vielleicht erfreut
sich ein Vater dieses bärtigen Mannes, der seinen Ernst ablegt und sich mit
seinem Sohne neckt. So verschämt wird durch alle Zeiten die Braut sitzen und bei
ihren stillen Wünschen noch bedürfen, dass man sie tröste, dass man ihr zurede; so
ungeduldig wird der Bräutigam auf der Schwelle horchen, ob er hereintreten
darf.«
    Wilhelms Augen schweiften auf unzählige Bilder umher. Vom ersten frohen
Triebe der Kindheit, jedes Glied im Spiele nur zu brauchen und zu üben, bis zum
ruhigen abgeschiedenen Ernste des Weisen konnte man in schöner, lebendiger Folge
sehen, wie der Mensch keine angeborene Neigung und Fähigkeit besitzt, ohne sie zu
brauchen und zu nutzen. Von dem ersten zarten Selbstgefühl, wenn das Mädchen
verweilt, den Krug aus dem klaren Wasser wieder heraufzuheben, und indessen ihr
Bild gefällig betrachtet, bis zu jenen hohen Feierlichkeiten, wenn Könige und
Völker zu Zeugen ihrer Verbindungen die Götter am Altare anrufen, zeigte sich
alles bedeutend und kräftig.
    Es war eine Welt, es war ein Himmel, der den Beschauenden an dieser Stätte
umgab, und außer den Gedanken, welche jene gebildeten Gestalten erregten, außer
den Empfindungen, welche sie einflössten, schien noch etwas andres gegenwärtig zu
sein, wovon der ganze Mensch sich angegriffen fühlte. Auch Wilhelm bemerkte es,
ohne sich davon Rechenschaft geben zu können. »Was ist das«, rief er aus, »das,
unabhängig von aller Bedeutung, frei von allem Mitgefühl, das uns menschliche
Begebenheiten und Schicksale einflößen, so stark und zugleich so anmutig auf
mich zu wirken vermag? Es spricht aus dem Ganzen, es spricht aus jedem Teile
mich an, ohne dass ich jenes begreifen, ohne dass ich diese mir besonders zueignen
könnte! Welchen Zauber ahn' ich in diesen Flächen, diesen Linien, diesen Höhen
und Breiten, diesen Massen und Farben! Was ist es, das diese Figuren, auch nur
obenhin betrachtet, schon als Zierat so erfreulich macht? Ja, ich fühle, man
könnte hier verweilen, ruhen, alles mit den Augen fassen, sich glücklich finden
und ganz etwas andres fühlen und denken als das, was vor Augen steht.«
    Und gewiss, könnten wir beschreiben, wie glücklich alles eingeteilt war, wie
an Ort und Stelle durch Verbindung oder Gegensatz, durch Einfärbigkeit oder
Bunteit alles bestimmt, so und nicht anders erschien, als es erscheinen sollte,
und eine so vollkommene als deutliche Wirkung hervorbrachte, so würden wir den
Leser an einen Ort versetzen, von dem er sich
