 Freundschaft, das die
Erde und ihren Schmelz noch an den Menschen heftet, noch nicht voneinander
gesägt wäre bis auf ein oder zwei Fäden? - O du, den ich jetzo aus einer weiten
Entfernung weinen höre, du bist nicht unglücklich, an dessen Brust ein geliebtes
Herz erkaltet ist, sondern du bists, der ists, der an das verwesende denkt, wenn
er sich über die Liebe des lebendigen Freundes freuen will, und der in der
seligsten Umarmung sich fragt: »Wie lange werden wir einander noch fühlen?« ...
 
                 Neununddreissigster oder 1ter Epiphaniä-Sektor
Erst jetzt ists toll: die Krankheit hat mir zugleich die juristische und die
biographische Feder aus der Hand gezogen, und ich kann trotz allen Ostermessen
und Fatalien in nichts eintunken ........
 
                     Vierzigster oder 2ter Epiphaniä-Sektor
Mich wird, wie es scheint, nebenbei auch der schwarze Star befallen; denn Funken
und Flocken und Spinnweben tanzen stundenlang um meine Augen; und damit - sagen
Plempius und Ritter Zimmermann - meldet sich stets besagter Star an. Schielen -
sagt Richter, der Starstecher, nicht der Starinhaber, in seiner Wundarzeneikunst
(B. III, S 426) - läuft untrüglich dem Stare voraus. Wie sehr ich schiele, sieht
jeder, weil ich immer rechts und links zugleich nach allem blicke und ziele. -
Werd' ich denn wirklich so stockblind wie ein Maulwurf: so ists ohnehin um mein
bisschen Lebensbeschreiben getan ....
 
                  Einundvierzigster oder 3ter Epiphaniä-Sektor
Ich besitze ein paar Fieber auf einmal, die bei andern glücklichern Menschen
sonst einander nicht leiden können: das dreitägige Fieber - das Quartanfieber -
und noch ein Herbst- oder Frühlingfieber im allgemeinen. - Indessen will ich,
solang' ich noch nicht eingesargt bin, dem Publikum alle Sonntage schreiben und
es etwa zu zwei oder drei Zeilen treiben. Auch der Stil sogar wird jämmerlich;
hier wollen sich die zwei Verba reimen ....
 
                 Zweiundvierzigster oder 4ter Epiphaniä-Sektor
O ihr schönen biographischen Sonntage! ich erlebe keinen wieder. Zu den Übeln,
die ich schon bekannt gemacht habe, stösset noch eine lebendige Eidechse, die
sich in meinem Magen aufhält und deren Laich ich im vorigen Sommer aus einem
unglücklichen Durst muss eingeschluckt haben ....
 
             Dreiundvierzigster oder 5ter und 6ter Epiphaniä-Sektor
Von Kirschkernen, die im Magen aufgekeimt, wie von Erbsen im Ohre hat man
Beispiele. Noch aber hab' ich nicht gelesen, dass der Same von Stachelbeeren, den
man gewöhnlich mit einschluckt, in den Gedärmen getrieben hätte, wenn diese
durch Verstopfung etwa zu wahren Lohbeeten des gedachten Staudengewächses
gediehen wären. - O guter Himmel, was wird endlich meine Krankheit sein, deren
unsichtbare Tatze meine Nerven ergreift,
