 entwundern und das Maschinenwerk der
magischen Oper aufzuziehen! - Johannes schonte den Ritter nicht, dessen
vorteilhafte Stimmung er zu seiner Absicht benutzte. Es glückte ihm, seinem
Freunde die Augen zu öffnen. Man darf nicht die Hälfte vom Kopf und Herzen
unseres Johannes besitzen, um so manchen Greuel an heiliger Stätte zu erklären,
wenn man den Umstand voraussetzt, dass auch der entschiedenste Philosoph der
Glaubensversuchung unterliegen müsse, so bald nur zwei Menschen, von denen er
nicht weiß und vermutet, dass sie es auf ihn angelegt haben, ihn metodisch
hintergehen. Sind mehr als zwei Menschen dieser Art vereinigt, sind in diesem
Bunde Postbediente, Hauswirte, Domestiken - halt, sagte der Ritter, von meinen
Domestiken könnt' ich nicht hintergangen werden. Michael ist mein Begleiter, und
der Reitknecht so ehrlich, dass, als man Michael zur Vorbereitungsprobe an Hals
und Hand kommen wollte, er sich seiner mit unglaublicher Redlichkeit annahm,
obgleich Michael so ungütig war, nicht sein Vetter sein zu wollen. Johannes
lachte, und in kurzer Zeit war der Reitknecht zum Erstaunen des Ritters
überführt, der geheime Postillon der Briefe gewesen zu sein, welche der Ritter
auf eine unerklärliche Weise an Orten gefunden hatte, zu denen niemand als er
selbst zu kommen im Stande war. Der Reitknecht war klug genug, die Wundersprache
einzuschlagen und wohlbedächtig vorzugeben, dass ihn der arge böse Feind zu
dieser Untreue verleitet hätte. Da indes in Geschäften keine Wunder gelten, und
wenn ein Apostel mit dem andern über Mein und Dein schaltet und waltet, eine
Erscheinung, und wär' es eine Teophanie, keinen Rechtsgrund abzugeben sich
anmassen kann, so sah der Reitknecht wohl ein, dass zwischen Ordens- und gemeinem
Leben ein himmelweiter Unterschied sei, so folgerungsrecht es auch immer sein
möchte. Kniend übergab er seinem Herrn die Nachschlüssel. Mit Gottes Hilfe,
fügte er hinzu, wird der Teufel meine Verführer schon holen! - Es war erbaulich,
dass Johannes Unbegreiflichkeiten teils augenscheinlich, teils wahrscheinlich
begreiflich machte, und Dinge löste, die dem Ritter bis jetzt unauflöslich
geschienen hätten. Wenn wir nichts mehr zu antworten wissen, sind wir dadurch
schon zur Meinung des Gegners übergetreten? Ist es genug, dass die Knoten
verschoben und verrückt werden? Muss man sie nicht lösen? - - - - Zum
Synkretismus hat, seines Wissens, der Ritter nie Neigung gezeigt, nach welchem
man mit seinen Feinden Frieden macht, um einen gemeinschaftlichen Feind desto
nachdrücklicher anzugreifen. So schwer es unserem Johannes ward, Menschen in
ihrer Blöße zu zeigen, so könnt' er es doch da nicht unterlassen, wo nur durch
die Entzauberung dieser Ordensmeister die Vorgänge selbst entzaubert werden
konnten. Bon Reden kommt Reden, von Tun kommt Tun. Doch bewies Johannes so
viel Menschenschonung
