 bis in den Himmel erhoben oder aus
Rache und Neid ihm vielleicht jede Art von Größe und Tugend absprachen? Wer
möchte wohl eine allgemeine Geschichte der Reformation für zuverlässig halten,
die im sechzehnten oder siebzehnten Jahrhunderte geschrieben wäre?
    Das Gemälde muss erst aus einem Standpunkte beobachtet werden können, wo man
es im Ganzen übersieht, ohne von dem Schimmer einzelner Farben, ohne von dem
Interesse an einzelnen Gruppen geblendet, ohne durch die kleinen Details
zerstreuet zu werden. Unsre individuellen Lagen aber, Vorliebe oder Widerwillen
vor oder gegen unsre und fremde Verfassungen, gegen unsre und fremde Systeme,
vor oder gegen Nationen und Personen, die entweder Beförderer oder Störer,
Tadler oder Lobpreiser jener Gegenstände sind, determinieren uns, solange wir
mitten in dem Gewühle leben. Kleine, unmerkliche Beziehungen stimmen uns zur
Parteilichkeit gegen lebende Personen und gegenwärtige Dinge. Selbst auf den
geübten Denker, der sich ganz kalt und unbefangen glaubt, würkt heimlich
irgendeine von diesen Rücksichten; wäre es auch nur ein vaterländisches oder ein
Erziehungsvorurteil, eine vorgefasste Meinung von denen, welche sich der Sache
annehmen, oder dergleichen.
    So unwürdig eines Philosophen es ist, den Wert einer Unternehmung nicht nach
der innern Güte des Zwecks und der Mittel, sondern nach dem Glücke oder Unglücke
des Erfolgs zu würdigen, so scheint es doch bei manchen Fällen, wenn von
politischen Umwälzungen die Rede ist, notwendig, sein Urteil nicht bloß nach
moralischen und szientifischen Grundsätzen einzurichten, sondern der Zeit zu
überlassen, dem praktischen Nutzen, den die Veränderung stiftet, der Konsequenz
der angewendeten Mittel und der Möglichkeit der dauernden Ausführung das Wort zu
reden. Da fallen denn nun freilich die Resultate oft ganz anders aus wie unsre
Räsonnements. Als Amerion die heilige, unleugbare Befugnis des Menschen,
unbestimmte oder von seiner Seite gebrochene Kontrakte wieder aufzuheben, sich
fremden Schutz zu erbitten, wenn man sich selbst schützen kann, und die Früchte
seines eignen Fleißes nach seiner eignen Weise zu genießen, gegen das
uneigentlich sogenannte Mutterland gelten machen wollte, da eiferten nicht nur
Moralisten und Rechtsgelehrte wider die Undankbarkeit der Kolonien, sondern die
Staatspropheten sahen auch voraus, dass diese von eigennützigen Bösewichtern und
Aufrührern irregeleitete, nicht von einem Geiste beseelte, unter sich selber
durch Uneinigkeit getrennte Leute, ohne disziplinierte Armee, ohne Gesetze, ohne
Bundesgenossen, ohne Geld, ohne Kredit, wenig ausrichten und bald zum Gehorsame
würden zurückgeführt werden. Den Journal- und Bücherschreibern der damaligen
Zeit, besonders dem empfindsamen Herrn Fähndrich Anburei, dessen Beschreibung
von Nordamerika der Herr Geheimerat Forster übersetzt hat, schauderte die Haut
bei Schilderung der Abscheulichkeiten, durch welche die verblendeten Amerikaner
sich alles Mitleids unwert machten und ihr armes Land für Jahrhunderte in eine
Wüstenei verwandelten. Er, und mit ihm nicht nur mancher andrer Fähndrich,
sondern auch mancher
