 ist in der ganzen Natur herrschend. Worauf sonst als auf dieses Recht
gründen die Despoten ihre Gewalt? womit sonst als mit diesem Rechte des Stärkern
machen sie uns, an der Spitze von hunderttausend Mann, die Gründe, worauf ihre
Deduktionen gestützt sind, anschaulich? Ist dies Recht aber nicht auf ihrer
Seite, so haben auch ihre Gründe wenig Gewicht, und sie müssen dem nachgeben,
der mit mehr Nachdruck den Beweis seiner Rechtmässigkeit führt. Von der Natur
sind nun einmal die Menschen nicht in Klassen geteilt, nicht einige zum
Gehorchen, andre zum Herrschen bestimmt. Der Mensch, der sich von einem Menschen
regieren lässt, tut dies entweder, weil er muss oder weil er will. Er muss, wenn
der andre stärker ist, sei es an Körper oder Geiste oder durch Bündnisse mit
mehreren. Er will, wenn er sich behaglich dabei fühlt oder wenn er in dem Wahne
steht, der andre sei auf irgendeine Weise berechtigt, ihm Gesetze
vorzuschreiben. Wenn aber kein Übergewicht da ist, wenn Liebe und Zutraun
aufhören, wenn Unzufriedenheit eintritt und Wahn verschwindet - dann
demonstriere einmal, drohe einmal, Fürst, Moralist, Staatsmann! und siehe zu, ob
du etwas ausrichtest! Denn (möge auch der Satz noch so herbe klingen!) man kann
dem Menschen die Notwendigkeit der Erfüllung aller moralischen Pflichten
unwiderleglich beweisen; aber ich weiß nicht, wie man es anfangen kann, einen
Menschen zu überzeugen, dass er eine natürliche, angeborene Verbindlichkeit auf
sich habe, einem andern Menschen von Fleisch und Bein zu gehorchen, wenn er dies
nicht glauben will, nicht glauben muss oder nicht sein Interesse dabei findet, es
zu glauben. Seine Vernunft sagt es ihm nicht; die Religion sagt ihm, dass er
seiner Obrigkeit gehorchen solle; aber wer diese Obrigkeit sein soll und wer das
Recht hat, sie einzusetzen, da wir keine Teokratien mehr haben, das sagt sie
ihm nicht, und das ist doch der Punkt, worauf es ankömmt. Gegen Kontrakte, die
er nicht selbst geschlossen hat, wird er viel Einwendungen finden, wenn sie ihn
drücken; die Beförderung der allgemeinen Ruhe, des allgemeinen Wohls kann einen
Philosophen bewegen. Privatvorteile aufzuopfern, aber nicht den Pöbel - diesen
zum ruhigen Gehorsame zu bringen, wenn man ihn weder durch Wahn noch Gewalt
zwingen kann, dazu gibt es, ich sage es noch einmal, kein andres Mittel, als dass
man in ihm den freien Willen erwecke, gern zu gehorchen. Wie dies möglich zu
machen sei, das soll noch, zur Erbauung aller Regenten, in diesen Blättern
gezeigt werden, und ich zweifle nicht, einer von ihnen wird mich für dies Rezept
mit einer kleinen jährlichen Pension von einem paar tausend Tälerchen belohnen.
Unter den
