 du
und deine Schwester bei derselben gespielt habt. Ich sehe die Notwendigkeit
nicht ein, warum ihr euch einem fremden Manne zeigen musstet, welcher entweder
nur Augen für seine Braut hatte, und also euren Anblick entbehren konnte, oder
mehr Aufmerksamkeit für euch bewies, als seine Pflicht erlaubte, wie es mir in
Ansehung deiner Schwester Elise fast der Fall gewesen zu sein scheint.
    Mehr hievon zu wissen, als mir vielleicht die Bescheidenheit deiner
Schwester und ihre Furcht vor mütterlichen Verweisen gestehen würde, wende ich
mich an dich, mein Kind; du wirst dich erinnern, dass deine Pflichten gegen deine
Mutter älter sind, als die gegen deine Schwester, und mir nichts verschweigen;
auch weiß ich, dass du mir nichts nachteiliges von unserer Elise melden kannst,
und ich schreibe jeden Fehler, der hier vorgegangen ist, auf die allzugrosse
Freiheit, die man den Fräuleins in den französischen Klöstern gönnt; wollte
Gott, die entscheidende Neigung eures Vaters für das Ausland, hätte mich nicht
um eure nahe Gegenwart gebracht, damit ich selbst über euch wachen könnte. - Ich
fühle es immer mehr, wie nötig diese sorgfältige mütterliche Wachsamkeit über
heranwachsende Töchter ist, sah es an Kunigundens Beispiel; die Bildung, die
sie einst in einem unglücklichen Jahre, da ich sie aus den Augen lassen musste,
in Tuscien erhielt, gefällt mir nicht; ich sehe die Folgen dessen, was sie dort
einsog, und was sie zu dem Liebling ihres Vaters macht, immer mehr. - Sie
verdient nicht von dem edelen Pfalzgrafen Otto so lange, so standhaft geliebt zu
werden, wie er liebt; sie vermag ein Herz, wie das seinige, gar nicht zu
schätzen; ich besorge zuweilen, sie hat das ihrige in Italien zurückgelassen. -
O meine Kinder, bewahrt eure Herzen vor eigenmächtiger Wahl, dies ist die
Pflicht aller, auch der gemeinsten Jungfrauen: Prinzessinnen liegt sie doppelt
ob, da sie weniger als irgend eine ihres Geschlechts wissen, wozu sie das
Schicksal bestimmt hat, und wem sie das Opfer der ersten ungeteilten Liebe
vorbehalten müssen.
    Wem das Opfer der deinigen bestimmt ist, meine Beatrix, das könnte ich dir
vielleicht sagen, wenn du bei mir wärst, doch Dinge von solcher Wichtigkeit sind
Briefen nicht anzuvertrauen; sei nur von deiner Mutter im Allgemeinen so viel
erinnert, dass du wohl vor allen deinen Schwestern bestimmt sein könntest, dem
römischen Reich durch Vergebung deiner Hand und deines Herzens die Ruhe wieder
zu schenken. Welch Unglück, wenn du in dem Augenblick, da diese Pflicht von dir
gefordert würde, von früherer Leidenschaft geblendet, dich weigern, oder wärst
du Heldin genug, deinem Herzen zum Trotz dich nicht zu weigern, ein Raub des
Elends und fehlgeschlagener Hoffnungen werden solltest, indem du
