 beleidigt glaubte, und weil ich im Unwillen, manches verdächtige
wider ihn redete und schrieb.
    In meiner Verhüllung schlich ich mich in die Hallen des kayserlichen
Pallasts, wo man die Leiche des Ermordeten ausgestellt hatte, um die Rache des
Volks zu reitzen, die doch ohnedem so stark flammte, dass man ihr kaum Einhalt
tun konnte. Ich sah auf einem Sessel, neben dem entseelten Körper, einen
Handschuh und eine Feldbinde liegen, die der Mörder im Fliehen, verloren haben
sollte, und erkannte beides, bei genauerer Besichtigung für das Meinige.
    Ein unnennbares Grauen befiel mich, ob den täuschenden Anzeichen meiner
Schuld; mir wars, als müsste ich vor Gott, und mir selbst hier ein feierliches
Zeugnis ablegen, dass ich kein Teil habe an der blutigen Tat. Ohne mich an die
drückende Menge zu kehren, die sich an den Schranken häufte, welche man zur
Sicherheit der Leiche und ihrer Hüter gezogen hatte, schwang ich mich hinüber,
und trat zu der Todtentruhe, bei welcher nur einige Mönche mit ihren Weihwedeln
und andern heiligen Gerätschaften beschäftigt waren. Armer Philipp! sagte ich,
nachdem ich den so schnell hingeraften Kayser, eine Weile betrachtet hatte, mit
halblauter Stimme zu mir selbst. Armer Philipp! wie bist du gefallen! - Dein
Freund soll dein Mörder sein? - Siehe, ich lege meine Hand auf deine Stirn.
Oeffene deinen Mund, lass dein Blut von neuem fließen, wenn es diese Hände
waren, die dich verletzten! - Fluch, Fluch über den, der dich tödtete, und einen
Unschuldigen mit seiner Schande brandmarkte!
    Die Mönche, die mich nicht kannten, aber meine Tat bemerkten, und wohl
etliches von meinen Worten verstanden haben mochten, sahen mich staunend an, das
Volk, durch welches ich mich jetzt, indem ich mich langsam entfernte, wieder
hindurch drängte, wich mir von allen Seiten aus. - Er ist, hörte ich einige
flüstern, der Herzog von Braunschweig, der sein Gewissen reinigen, und seine
Unschuld vor uns, durch diese Handlung retten wollte. O dies bedurfte er nicht,
wir wissen es zu gut, dass der Wittelsbacher die höllische Tat verübte.
    Ich erfuhr in der Folge, dass wirklich einige unruhige Köpfe, Herzog Otten
von Braunschweig, Philipps Gegner bei seinen Leben, als Teilhaber dieser Tat
hatten vorstellen wollen; aber diese Sage machte so wenig Eindruck dass er, wie
bekannt, den Kaysernahmen, den er jetzt führt, ohne Widerrede erhalten hat; auch
ich selbst kann mich nicht überwinden, hier einen Verdacht auf ihn zu werfen.
    Da ich hier mein Leben so tollkühn, auf die Gefahr, erkannt und von dem
Pöbel zerrissen zu werden, gewagt hatte, so kostete es mich noch weniger
Überwindung auch an
