. Da tanzte und spielte man die Grillen weg
und umwand sich die Sklavenketten mit Rosen.
    Allein noch gab es eine Anzahl fester, von der allgemeinen Korruption
weniger angesteckten Männer, die endlich des Unwesens müde wurden, sich laut und
kräftig den Tyranneien und Bedrückungen widersetzten und sich weigerten,
willkürliche, törichte und verderbliche Verordnungen zu befolgen. Die Besitzer
nämlich der größeren Güter, die Häupter der Stämme, die des Hofs nicht bedurften,
nach keinen Pensionen angelten, keine Bedienungen suchten, sondern fern von der
Residenz auf dem Lande lebten und sich, wie billig, als Mitregenten und
Stellvertreter ihrer ärmern Nachbarn ansahen, hielten lange Zeit dem Despotismus
die Stange. Dies war der eigentliche Adel des Reichs. Es war eine mächtige
Partei, die man schonen musste; und wirklich sah sich der Despot gezwungen,
einige seiner Verordnungen zurückzunehmen, um einem allgemeinen Aufruhr
vorzubeugen. Freilich wurden viele von ihnen auch nach und nach des ewigen
Protestierens müde, liebten die Ruhe und ließ manches geschehen, was grade
nicht unmittelbar sie und ihre Untertanen traf; doch blieb diese Partei noch
immer mächtig genug, um den Despoten in die Notwendigkeit zu setzen, auf andre
Mittel zu denken, sich auch diesen Stand unterwürfig zu machen. Hierzu nun
bediente man sich schlauer Kunstgriffe. Man erteilte einigen von ihnen wichtige
Bedienungen, lockte sie in die Residenz, verführte ihre Kinder, erweckte in
ihnen den Hang zur Pracht, zu eitelen Vergnügungen, zum Flitterstaate. Da ließ
sie nun ihre Besitzungen in den Händen eigennütziger Verwalter und Pächter,
verzehrten, was ihnen diese gaben, in der Stadt, richteten sich durch unnützen
Aufwand zugrunde und verarmten. Als man viele so weit gebracht hatte, schoss man
einigen Geld vor und machte sie dadurch abhängig vom Hofe. Andern tat man den
Vorschlag, gegen gewisse Summen, die man ihnen schenkte, ihre Güter für ein
Eigentum des Königs zu erklären und sie von ihm zu Lehn zu nehmen. Wenn die
Familien ausstarben, erteilte man diese Lehne an Kreaturen des Hofs. Man reizte
die Eitelkeit von andern, erfand unnütze Hofbedienungen, Titel und dergleichen,
die man ausschließlich dem Adel zusicherte, masste sich das Recht an, diesen Adel
zu erteilen und erblich werden zu lassen. Man gewöhnte die Menschen, Wert auf
kleine, elende äußere Auszeichnungen zu legen, auf Bänder und Ketten, die man
ihnen umhing, auf gewisse Kleidungen, die man ihnen zu tragen erlaubte, auf
Stellen, die einen gewissen Rang gaben. Da rissen sich dann die Leute um die
Ehre, dem Könige den Sonnenschirm nachtragen zu dürfen oder den Schlüssel zu
seinem heimlichen Gemache in Verwahrung zu haben, ihm die Braten zu zerlegen,
seine Livree zu tragen, ihm die Schuhe küssen und dann wieder seine eignen
Knechte zu
