 wie mein Herr Vetter es angreifen musste, sein
Aufklärungsgeschäft in Abyssinien mit Erfolge zu treiben, wie weit es dort mit
der Kultur und gewissen andern politischen und moralischen Umständen damals
gekommen war, die Einfluss auf die Stimmung des Geistes und Herzens eines Volks
haben, und welche Ressorts also vor und gegen seine Bemühungen wirkten, sehe ich
mich gezwungen, einen Blick in die ältere und mittlere Geschichte dieses Reichs
zu werfen.
    Ich würde dabei in große Verlegenheit geraten sein, besonders was die Zeiten
des grauen Altertums betrifft, weil diese in den Jahrbüchern aller Völker in
Fabeln gehüllt sind, welche die Unwissenheit, bei dem Mangel zuverlässiger
Urkunden, aus verstümmelten, mündlichen Überlieferungen zusammenbuchstabiert und
nachher mehrenteils der Betrug in ein gewisses System gebracht zu haben pflegt,
welches System dann, wenn es zu einem Glaubensartikel geworden, dem Forscher den
Weg versperrt, der Wahrheit auf den Grund zu kommen oder wenigstens seine
Entdeckungen bekanntzumachen. - Ich würde, sage ich, in große Verlegenheit
geraten sein, wenn nicht ein weiser, menschenliebender und von Vorurteilen
freier Mann in Abyssinien, von dem ich in der Folge noch öfter zu reden
Gelegenheit haben werde und der als ein Verwiesener in den Gebirgen von Waldubba
lebte, mir sehr schätzbare Beiträge zu dieser alten Geschichte geliefert hätte.
- Rücken wir der Sache näher!
    Die Geschichte aller Völker stößt zuletzt auf eine Hauptrevolution der
Natur, die, wie es scheint, nach einem Zwischenraume von vieltausend Jahren
periodisch dem Erdboden eine andre Gestalt gibt. Ohne zu entscheiden, ob diese
Revolution jedesmal mit einer großen Überschwemmung (sogenannten Sündflut) oder
mit einer andern großen Naturbegebenheit, als Erdbeben und Brand, ihren Anfang
nimmt; ohne zu entscheiden, ob diese Umkehrung des Erdbodens, nach gewissen
Gesetzen, in gewissen Zeiträumen erfolgen muss oder, durch zufällige Umstände
herbeigeführt, bald früher, bald später eintritt, so scheint doch aus den
Beobachtungen der Naturkündiger, Astronomen und Philosophen folgendes als
ungezweifelt angenommen werden zu können.
    Nach Verlauf einer Reihe von Jahrtausenden wird ein großer Teil der
bewohnten Erde, durch eine Empörung der Elemente, gänzlich umgeschaffen, Land in
See, See in Land verwandelt; Berge werden umgewälzt, Täler emporgehoben; die
Bewohner dieses Teils des Erdbodens kommen um, und mit ihnen gehen ihre
Kunstwerke, ihre Anlagen, die Monumente und Resultate ihres Fleißes und ihrer
Nachforschungen verloren; blühende Staaten werden vernichtet, und vor der
Aussicht in die Geheimnisse der Weisheit, in welche man schon im Begriff war mit
kühnem Schritte zu dringen, fällt nun wieder ein Vorhang.
    Das allsehende Auge der Vorsehung scheint diese Katastrophe immer dann
herbeizuführen, wenn die menschlichen Erkenntnisse und Erfahrungen grade das
Ziel erreicht haben, über welches sie nicht hinausgehen sollen, wenn Kultur im
Intellektuellen und Moralischen alle Stufen hinaufgelaufen ist, die
