 Gift benommen. In einer
Nachschrift bitten beide Brüder um ihre Entlassung noch diesen Vormittag, mit
Beibehaltung ihrer Livree, weil der Jahrmarkt zu Montpellier, wo Elektra zuerst
ihr neues Theater zu eröffnen gedächte, schon übermorgen seinen Anfang nähme,
und sie dort eines Prologs und Epilogs gewiss benötigter sein würde als ich.
Hierin haben nun die zwei verbrüderten Narren vollkommen recht; auch will ich
eilen, und meiner eigenen Freiheit so lange Zwang antun, bis ich ihnen, wie ein
Paar unnützen Stubenvögeln, die ihrige geschenkt habe. Mögen sie mit ihren
bunten Federn, die ohnehin nicht von der Farbe meiner Helmdecken sind, aus einer
Wildnis in die andere ihren Talenten nachfliegen. Mir soll ihres Schicksals
halber weiter kein graues Haar wachsen. Ungleich mehr Sorge macht mir die
peinliche Frage, mit der in der zweiten Epistel der unselige Passerino mir zu
Leibe geht. Freilich hatte ich es vergessen - aber er nicht, dass der einzige
Tag, den uns Saint-Sauveur zu der artistischen Reise nach Kotignac frei gab,
morgen eintrete. Er wolle, sagt er, die unglückliche Möglichkeit gar nicht
voraussetzen, dass ich zum zweitenmale anderes Sinnes geworden sei, und habe
deshalb die Postpferde mit dem frühesten in meinen Gasthof bestellt. Was will
ich tun? Würde er mich wohl aus Frankreich lassen, ehe ich ihm nicht mein
Versprechen halte? So sei es denn! Doch soll es gewiss der letzte Liebesdienst
sein, den ich meinem tollen Lehrmeister erzeige, so wie das letzte Marienbild,
das ich besuche. Ach! aber wie fällt mir der Abschied so schwer, den ich, o
Gott, auf ewig von diesem reizenden, einzigen Tale nehmen soll. Ohne jenes
abgeschmackte Berufsgeschäft hätte ich wenigstens noch einen Tag länger -
(Saint-Sauveur stellte es mir ja anheim) - hier bleiben, und diese Höhen und
Tiefen - diese Landhäuser und Wiesen, die sich vor mir hinstrecken, näher
beäugeln können, als durch das Fenster. Ist es nicht zum Tollwerden, dass ich die
letzte Vorstellung eines so prächtigen Schauspiels, als mir die Natur auf Morgen
verspricht, ausschlagen muss, damit ein paar Müßiggänger einen Tag eher ihre
hölzernen Puppen den Gaffern ausstellen, und ein Schmierer an einer noch
elenderen als jene, seinen Pinsel versuchen kann? Vergebens wiederhole ich mir,
wie viel edler solche Hingebungen werden, je mehr sie uns kosten. Meine Großmut
hebt den Schmerz nicht, und am meisten ärgert es mich, dass es solche
Armseligkeiten sind, die mich von hier abrufen. Ich bin doch in der Tat ein
sehr guter Narr, dass ich gehe! Nur noch einen Schluck aus diesem würzhaften
Luftstrom! Einen Hinblick noch auf das stärkende Grün dieser Gefilde! und dann
lege ich, mit dem Seufzer eines Liebenden
