 einen alten
Vater aus den Händen des Henkers in die stille Verwahrung seines Sohns brachte,
der noch jetzt als ein wackerer Offizier bei den Truppen unsers Königs den Tag
segnet, an dem es mir gelang, ein beschimpfendes Urteil von seiner Familie
wegzuscherzen. O, mein Eduard! könnte ich jetzt alle die um meinen Schreibtisch
versammeln, denen ich durch dieses Kunststück, das ich allen Beisitzern der
Kriminal-Gerichte, cum grano salis empfehlen möchte, Erlass einer entehrenden
Strafe verschafft, teils sie, statt in das Raspelhaus, unter die Haube
gebracht, teils durch das falsche Zeugnis einer ehrlichen Geburt, wovon meine
lachenden Kollegen mir die Verantwortung überließen, in eine bürgerliche Zunft
verholfen habe; wie viele dankbare Tränen würden nicht um den Mann fließen, der
jetzt selbst in dem misslichen Fall ist, um Abolition zu bitten! Doch ich weiß es
endlich zu gut, wie man es anfangen muss, sie ohne viele Unkosten zu erhalten.
Ich frage nur den Referenten bei dem Tribunal, das sich etwa anmasst über meinen
Handel in der Nebenstube zu urteilen - ich frage ihn auf sein Gewissen, ob
nicht sein erster Gedanke war, als er meine Akten durchlas: O wärest du doch an
der Stelle des Inquisiten gewesen! Du hättest deine Sache schon besser machen
wollen. Es ist zwar noch die Frage, ob der Herr wahr redet - Aber schon der Gang
seiner Empfindung sollte es ihm doch begreiflich machen, dass es hart sein würde,
mich nach der Halsgerichts-Ordnung Karls des Fünften, oder nach den rationibus
decidendi eines Karpzov zu richten.
    Das Studium der Toleranz ist eine der schönsten neueren Erfindungen. Sie
verdiente, so gut als die Oekonomie, eine eigene besoldete Lehrstelle. Fände
sich einmal einer der Nutritoren unserer Akademien, der Ursache genug hätte,
diese Wissenschaft in solch einen besonderen Schutz zu nehmen, so wollte ich
vorläufig raten, dass er ihr ja keine andere als die umgekehrte Ordnung unserer
so genannten Brotstudien anwiese. Der erfahrne Lehrer, wenn ja über ein
Kompendium gelesen sein muss, lege kein anderes zum Grunde als ein - nur
richtiges - Protokol seines eigenen Lebens, und ziehe dabei, wo dieses nicht
hinlangt, die Beichten zu Rate, die einige große Männer öffentlich abgelegt
haben - einen Petrarch und Lavater, einen Rousseau und Fielding, den heiligen
Augustinus und mich. Wäre auch ihren Aussagen nicht immer zu trauen, so wird er
es doch bald genug merken, wo der eine falsch gesehen, der andere falsch
geschlossen - der eine zu viel, der andere zu wenig gesagt, der - gelogen, jener
- seine Schwachheiten bemäntelt, oder gar mit der Maske der Tugend verlarvt hat.
Er führe seine Zuhörer an, über dem Chaos ihrer trotzigen und verzagten Herzen
zu schweben
