, da haben wir's ja!!! - Sagt ich's nicht zum voraus, der milchbärtige Junge
würde wie eine feige Memme zurückbeben, wenn das Bürger-Vorurteil die Zähne
gegen ihm blökte? - Da haben ihm einige alte Weiber unter seinen Verwandten
wegen meiner Bekanntschaft die Rute gezeigt, und der furchtsame Knabe verkroch
sich dann zitternd in den Winkel. -
    Unsre jezzigen Jünglinge gleichen den alten Biedermännern eben so an
Standhaftigkeit, als wie die Mükke dem Elephanten an Stärke.
    Die hinfälligen, morschen Buben krochen unsern Alten aus ihren
Schweislöchern. - Die Natur wollte sich vom Unrat reinigen, dann schuf sie
Jünglinge fürs achtzehnte Jahrhundert. -
    Weiber, die beim Zukkerbrod erzogen wurden, beschämen diese ohnmächtige
Auswürflinge durch Redlichkeit, Stärke des Geistes und Festigkeit des Karakters.
- Geschöpfe, die vom Vorurteil unter Schwächlinge gerechnet werden, machen
diesen unbärtigen Bastarten das Wort Mann, streitig. -
    Pfui! - dass sich doch die Lüge keinen bessern Stoff wählte, als in diesen
Unwürdigen liegt! - So weit sank die Redlichkeit, dass sich sogar die Unwahrheit
ihrer schämt. -
    Männer-Kraft, Seelen-Stärke, Ehrlichkeit sind unter den deutschen Jünglingen
in Staub gesunken. - Die Natur verlängert die Tage dieser kraftlosen Insekten
bloß darum, damit sie bei guter Laune über ihre erzeugten Misgeburten spotten
kann, die sie während einer Verstimmung aus Zorn schuf. - Wenn die Alten ihr
Wort hingaben, dann wurde es mit Wahrheit versiegelt und mit Redlichkeit
gehalten. - Aber wenn unsere jezzigen Milchbuben Treue schwören, dann wird sie
schon zur Lüge, noch dieweil der modische Süssling im Begriffe ist, den schlaffen
Handschlag zu tun. -
    Ha! - Wäre es doch unter uns Weibern eingeführt, dergleichen schmelzende
Zukker-Püppchen mit dem kleinen Finger zu zerquetschen; mit welcher Herzens-Lust
würde ich die erste Ausführerin dieser Rache werden! - Bei einer Treulosigkeit
schlägt sich das andere Geschlecht mit den Waffen; nur für uns ist keine
Verteidigung übrig! - Wir bleiben ewig das Spielwerk jedes mutwilligen Buben,
der sich's erlaubt, unter teuflischer Heuchelei um unser Herz zu buhlen! - Aber
bei meinem Stolz sei's geschworen; ich will mich in Zukunft an diesem
verräterischen Geschlecht rächen! - auf eine Art rächen, die nicht alltäglich
sein soll! - Mein Herz soll schweigen - meine sanften, redlichen Gefühle sollen
schlafen, und meine Zunge soll so lange eine täuschende Neigung heucheln, bis
ich die Träne irgend eines leidenschaftlichen Anbeters unter schmerzlicher
Verwirrung, unter ängstlicher Ungewisheit von seinem unruhigen Auge rollen
sehe!!! - O, und dann soll stolze, kalte Fühllosigkeit, bitteres Gespött über
das männliche Aftergefühl, der Lohn seiner Leiden sein! -
    Du weist, dass ich nicht eitel
