 Ehen urteilte; wo mir diese Sprache Romanensprache
dünkte. - Aber nun bin ich anders überzeugt, und werde von nun an jedem
denkenden Mädchen zurufen: Suche dir einen Gatten, der mit dir empfindet, der
der Wiederhall deines Herzens ist, und der dich verstehet! -
    Bald, meine Amalie, hoffe ich mit meinem Karl auch vor der Welt vereinigt zu
werden. - Stösst dir dann einstens wieder ein guter Junge auf, o so folge doch
meinem Beispiel! -
    Ist es möglich! - Also auch der gute Direktor N.... erlebt in dem traurigen
W... das Schicksal so vieler Künstler? - Pfui der Schande, dass Dürftigkeit und
Verfolgung gemeiniglich Belohnung der bessten Talenten ist! - Aber der Adel muss
sich selbst zuerst auszeichnender aus der Dummheit herausschwingen, wenn er
Verdienste will zu schäzzen wissen. -
    Nicht wahr, Amalie, Du meldest mir doch bald, wo Du Dich hinzuwenden
gedenkest, und glaubst mich doch immer
    Deine unveränderliche Freundin
    
                                                                          Fanny.
 
                                 CXXXIX. Brief
                                    An Fanny
Dein lezter Brief hat mich wieder ganz beruhigt, und ich kann Dir izt mit
aufgewekterem Kopfe von meinem künftigen Schicksal sprechen. - Dann magst Du
dieses Schicksal an der Seite deines Karls durchdenken, durchlesen, und mir
sagen, was Du davon hältst! - Gib indessen deinem Karl ein recht warmes
Mäulchen für mich, Du liebe Schwärmerin, wenn Du ihn wieder an deiner Seite
hast! - Und nun höre! -
    Mein guter Direktor N... steht völlig auf der Neige. - Zum Glükke bieten
sich mir gerade zu rechter Zeit Aussichten in St... an, die zwar mit einigen
Bitterkeiten verbunden sind; aber da mir wohl keine andere übrig bleiben, so muss
ich sie wohl annehmen. - Dass nun diese Aussichten nach meinem Wunsche ausfallen
werden - glaube ich schwerlich; denn die Briefe dortigen Direktors K....
beweisen mir gerade das Gegenteil. -
    Erstlich räsonniert Herr K.... erzgrob gegen ein Frauenzimmer in seinen
Briefen; er scheint mir daher besser zum Stallknecht als zum Direktor zu taugen.
- Zweitens dünkt er mir ein eigennüzziger Dummkopf zu sein, der so wie viele
andere die Sinnlichkeit des Publikums zu befriedigen sucht. -
    »Madame, wenn Sie nicht recht gut gewachsen sind, so kommen Sie ja nicht zum
Debut!« - So lauten die Worte dieses Grobians - der sich schon zum voraus als
Oberaufseher eines Lustnimphen-Chors zeigt. - Wäre in meiner Lage guter Rat
nicht so teuer, ich würde mich nie zu diesem Niederträchtigen begeben haben. -
So viel Mistrauen er auch immer in mein Talent sezt, so kümmert mich doch sein
Gewäsche nicht im geringsten, und ich wage es kühn auf den blosen Debut
