 größten: zu der Zeit, wo sie am elendesten waren, am schlechtesten; dies ist
die Geschichte derselben in wenig Worten.
    Wie bis zum bloßen Tier herabgesunken, kalt und gefühllos muss der Mensch
sein, den es nicht ergreift, dessen Herz es nicht erhebt, wenn er in die Hallen
tritt, wo die Helden unsers Geschlechts, die Weisen, die Dichter von Phidiassen
und Praxitelen aufgestellt wie lebendig atmen! Der Armselige wird erschrecken
wie in einer Götterversammlung, der Edle schüchterne aber begeistert werden, die
glorreiche Bahn zu verfolgen; welche Kunst kann ihr hohes Leben sinnlicher in
die Seele blitzen? Und eine Fromme, die alle Morgen die schönen himmlischen
Figuren an den Wänden im Tempel mit inniger Freude schaut, kann kein hässliches
und böses Kind gebären.
    Die Griechen mussten denn doch mehr Leben in der Malerei finden als
Bildhauerkunst, weil sie dieselbe, wo sie am verständigsten waren, mehr als
diese belohnten und beförderten. Ein Bild in Stein war ihnen nur Zeichen
einzelner Wahrheit, nämlich der Form: die Malerei aber Zeichen aller Wahrheit
und Wirklichkeit und von ungleich grösserm Umfange; jenes gleichsam nur
Dämmerung, Ding im Mondschein: Gemälde von Apelles, Gestalten wirklicher Welt in
ihrem Tage; und Zeichen bleibt immer weiter nichts als Zeichen, sei's von Stein
oder Farbe. Und eben dies ist es, warum die Bildhauerei sank, nachdem die
Malerei emporstieg, und bei uns nun nie wird fortkommen können, solang es noch
gleich gute Maler als Bildhauer gibt.
    Welcher Bildhauer wollte zum Exempel die Waffenläufer des Parrhasius
übertreffen, wo der eine im Lauf zu schwitzen schien, der andre aber die Waffen
ablegte und keuchte? Freilich kannte dieser Wollüstling den höchsten Reiz des
Eigentümlichen seiner Kunst.
    Für Gestalt gibt es keine matematische Wissenschaft, wo man alles und jedes
mit Zirkeln und Linien und Zahlen beweisen könnte; das geläuterte Gefühl
erfahrner hoher Menschen entscheidet hier allein endlich und hat zu aller Zeit
jedem Kunstwerk seinen Rang angewiesen. Deswegen aber beruht Ideal nicht auf
bloßen Hirngespinsten, sondern die Natur selbst ist die ewige Regel: und ein
Künstler muss von ihren Quellen schöpfen, wenn er neue Schönheit und neuen
unsterblichen Reiz hervorbringen will. Durch Übung gewinnt man nach und nach
doch auch sichre wissenschaftliche Fertigkeit.
    Was bildet den lebendigen Körper von innen hervor, vom ersten Stoff zum
Dasein an, so wie er ist, die erste regende Kraft; hernach sein Leben in der
Welt?
    Kann ich von der äußern Bildung auf die Art des Geistes schließen?
    Warum nicht? Vom Werk auf den Meister; nur gehört Erfahrung und Verstand
genug dazu und Adlerheit über andre, es mit Gewissheit zu können und nicht eine
Ursache für die andre zu halten. Jede Gestalt zeigt Ursprünglichinnres,
wenigstens was jung in Tätigkeit war
