, und es freue ihn, dass er sich nicht geirrt habe.
    In seinem Leben hatte Anton keine solche Empfindung gehabt, als ihm diese
achtungsvolle Begegnung verursachte. - Da er nun die Sprache der feinen
Lebensart nicht gelernt hatte und sich doch auch nicht gemein ausdrücken wollte,
so bediente er sich bei solchen Gelegenheiten der Büchersprache, die bei ihm aus
dem Telemach, der Bibel und dem Katechismus zusammengesetzt war, welches seinen
Antworten oft einen sonderbaren Anstrich von Originalität gab, indem er z.B. bei
solchen Gelegenheiten zu sagen pflegte, er habe den Trieb zum Studieren, der ihn
unaufhaltsam mit sich fortgerissen, nicht überwältigen können und wolle sich nun
der Wohltaten, die man ihm erzeige, auf alle Weise würdig zu machen und in aller
Gottseligkeit und Ehrbarkeit sein Leben bis an sein Ende zu führen suchen.
    Indes hatte der Konsistorialrat Götten, an den sich Reiser schon vorher
gewandt hatte, für ihn ausgemacht, dass er die sogenannte Neustädter Schule
unentgeltlich besuchen könnte. - Allein der Pastor Marquard sagte, das dürfe nun
nicht geschehen; er solle, bis er konfirmiert würde, noch von seinem Sohne
unterrichtet werden, damit er alsdann sogleich die höhere Schule auf der
Altstadt besuchen könne, wo der Direktor sich seiner annehmen wolle; und wegen
der Eifersucht, die zwischen den beiden Schulen zu herrschen pflegte, würde er
besser tun, wenn er jene nicht zuerst besuchte. - Dies musste Reiser dem
Konsistorialrat Götten selber sagen, um den freien Unterricht, welchen er ihm
verschafft hatte, abzulehnen, worüber denn derselbe sehr empfindlich wurde und
Reisern sehr hart anredete, ihn aber doch zuletzt wieder mit der Aufmunterung
entließ, dass er sich auf andre Weise dennoch seiner annehmen wolle.
    So schien nun an Reisers Schicksale, um den sich vorher niemand bekümmert
hatte, auf einmal alles teilzunehmen. - Er hörte von Eifersucht der Schulen
seinetwegen sprechen. - Der Konsistorialrat Götten und der Pastor Marquard
schienen sich gleichsam um ihn zu streiten, wer sich am meisten seiner annehmen
wollte. Der Pastor Marquard bediente sich des Ausdrucks, er solle nur dem
Konsistorialrat Götten sagen, es wären seinetwegen schon Anstalten getroffen
worden und würden noch Anstalten getroffen werden, dass er zu der höheren Schule
auf der Altstadt hinlänglich vorbereitet würde, ohne vorher die niedere Schule
auf der Neustadt zu besuchen. - Also Anstalten sollten nun seinetwegen getroffen
werden, wegen eines Knaben, den seine eigenen Eltern nicht einmal ihrer
Aufmerksamkeit wert gehalten hatten.
    Mit welchen glänzenden Träumen und Aussichten in die Zukunft dies Reisers
Phantasie erfüllt habe, darf ich wohl nicht erst sagen. Insbesondre, da nun noch
immer die geheimnisvollen Winke bei dem Garnisonküster und die Zurückhaltung des
Pastor Marquard fortdauerte, womit er Reisern etwas Wichtiges zu verschweigen
schien. -
    Endlich kam es denn
