 wenig von Sancho Pansa hat als von zwei in der Geschichte des Don Quixote vorkommenden, hier beiläufig anzuführenden dicken Wettläufern, deren einer elf Viertel-Zentner, der andere aber fünf Viertel-Zentner wog und über deren Wettlauf der weise Sancho ein so weises Urteil fällte. Wiegt einer unter den deutschen Schriftstellern so viel: der trete hervor, um sich gegen diese wägen zu lassen, wenn er will. Wir sind wohl zufrieden, dass er auch sogar seine Werke mit auf die Waage lege.
Seit Falstaffs Zeiten ist man fast der Meinung geworden, dicke Leute wären aufs höchste witzig und weiter nichts. Dies ist aber eine höchst irrige Meinung, wenn man auch Zachariä, den Dichter, zum Beweise anführen wollte; denn dicke Leute können auch gelehrt sein. Davon soll Euch ein Beweis sein zwei Männer berühmt durch Genealogie und Geogonie: der Hofrat Krebel, der gelehrte Verfasser eines genealogischen Handbuchs, noch genauer als seine europäischen Reisen, die er sitzend auf seinem Lehnstuhle so oft wiederholte; und der Oberkonsistorialrat Silberschlag, Verfasser eines gelehrten Systems der Geogonie, welches so fest steht wie die von ihm gebauten Wassergebäude. Insbesondre soll es Euch das Beispiel unsers Anselms selbst beweisen. In Absicht auf Gelehrsamkeit ist er den beiden genannten wohlbeleibten Gelehrten allenfalls einigermaßen ähnlich, sonst gleicht er weder diesen noch andern deutschen Schriftstellern und Übersetzern, von denen einige nicht weniger witzig und gelehrt als dick sind.
Wie könnte nun nach allem dem, was wir schon beiläufig von unserm Helden gesagt haben, ein so feiner und, obgleich runder, doch gerader Mann wie Anselm, in irgend einem Stücke mit dem Tersites verglichen werden, der, wie jeder Leser Homers weiß, schielte, hinkte, bucklicht, spitzköpfig und ein Kahlkopf war? Der günstige Leser soll aber wenigstens bei dieser Gelegenheit erfahren, dass unser Anselm einen runden erhabenen Scheitel und schöne kastanienbraune Haare hat; und hätte er ja irgend einmal zu schielen geschienen, so könnte es nur gewesen sein, als er ein Frauenzimmer verliebt ansah. Dass unser Held aber von der schönsten Hälfte des menschlichen Geschlechts die Augen nicht abzuwenden pflegte, kann nebst vielen andern Dingen der geneigte Leser erfahren, wenn er nur weiter lesen will.
 
Dies wären nun die antiken und modernen dicken Leute alle, deren Existenz den belesenen Freunden des Verfassers jetzt beigefallen ist. Denn Foote's Major Sturgeon, dessen Tapferkeit nach dem Gewicht zu berechnen war, ist nicht allgemein genug bekannt; und Selim der Glückliche, dessen Geschichte der Verfasser des Siegfried von Lindenberg aus dem Guzuratischen verdeutschte, war nur, als er geboren ward, ein dickes Bübchen, aber nachher ward er ein schlanker Bursche, wie der Leser selbst erkennen kann, wenn er die Vorstellung seiner Figur in ganzer Leibeslänge ansehen will,
