 liebreich gegen Dienstboten sein.
Diese armen Leute müssen sich für uns so manchen Gefahren ausfetzen, und doch
belohnen wir sie gewöhnlich nur mit Härte und Unterdrückung, sind so besorgt,
Ihnen jede kleine Lebensfreude zu verbittern, und sie stets die tiefe
Abhängigkeit fühlen zu lassen, in der sie gegen uns stehen. Ein liebreiches und
sich immer gleiches ernstes Betragen würde uns die Herzen dieser armen Menschen
gewinnen, und weit besser auf sie wirken, als die große Strenge, mit der wir
gegen sie verfahren. Aber leider sind sie der Gegenstand, an dem man gewöhnlich
jede üble Laune auslässt; und indem manche oft zu andern Zeiten allzugrosse
Vertraulichkeit gegen sie hegen, und ihnen Geheimnisse aller Art anvertrauen,
machen sie dieselben falsch und niederträchtig, und setzen sich allen Folgen der
Geschwätzigkeit ihres Gesindes aus. Es ist wahr, es ist sehr schwer, die
Mittelstrasse zwischen Familiarität und zu großer Entfernung zu halten. Beides
verdirbt gleichviel.
    Ich glaube, man muss mit seinen Leuten nicht mehr reden, als die Umstände
nötig machen, aber dieses Wenige mit Güte und Sanftmut. Man muss sie nie zu
Vertrauten seiner eignen Handlungen machen, wohl aber in den ihrigen ihnen mit
Rat beistehen. Man muss nie befehlen, ohne erst den Befehl gehörig überlegt zu
haben, damit man nicht oft nötig hat zu widerrufen; dadurch verliert er sonst
den Eindruck, und wir geraten bei ihnen in Verdacht, dass wir ohne Grund
befehlen, und bloß unsern Launen folgen, und dieses macht sie unwillig uns zu
gehorchen. Man muss ihnen aber doch auch zu Zeiten erlauben, uns in Dingen,
worin sie mehr Erfahrung haben, als wir, mit Bescheidenheit Gründe anzuführen,
wenn ihnen das, was wir befohlen, nicht vorteilhaft für uns scheint. Und
alsdann muss man auch nicht hartnäckig sein, ihrem Rate zu folgen, wenn er
wirklich gut ist. Dieses hat für uns einen vorzüglichen Nutzen, wenn wir
Neuerungen oder Abweichungen ihrer gewöhnlichen Art zu handeln von Ihnen fodern,
weil uns alsdann ihre Einwendungen Gelegenheit geben, sie desto besser von
unsrer Sache zu überzeugen. Merkt man aber, dass sie sich uns aus bloßem
Eigensinn und Verdrossenheit widersetzen, so muss man sie strenge anhalten, uns
genaue Folge zu leisten.
    Versehen sie etwas, so verweise man es ihnen nach Maassgabe des Fehlers, doch
ohne Schimpfreden; denn diese erniedrigen uns bis zu ihnen, oft unter sie,
machen uns verächtlich, und dienen nur, sie zu erbittern und boshaft zu machen.
Übrigens halte man sie gut im Essen und Trinken, gebe ihnen einen guten Lohn -
denn das sind die Dinge, die vorzüglichen Eindruck auf sie machen, weil alle
ihre Handlungen hauptsächlich durch sinnliche Gefühle geleitet werden - halte
sie aber auch dafür zu strenger Ordnung
