 Würdet ihr mir doch
geduldig zugehöret haben, wenn ich euch die Historie vom König in Böhmenland der
sieben Schlösser hatte, oder die Geschichte der drei Kalender zu erzählen,
angefangen hätte.
    Die Abderiten also, hätten (dem zufolge, was bereits von ihnen gemeldet
worden ist,) ein so feines, lebhaftes, witziges und kluges Völkchen sein sollen,
als jemals eines unter der Sonne gelebt hat. -
    »Und warum dies?«
    Diese Frage wird uns vermutlich nicht von den Gelehrten unter unsern Lesern
gemacht. Aber, wer wollte auch Bücher schreiben, wenn alle Leser so gelehrt
wären, als der Autor? Die Frage warum dies ist allemal eine sehr vernünftige
Frage. Sie verdient, wo die Rede von menschlichen Dingen ist, allemal eine
Antwort; und wehe dem, der verlegen, oder beschämt, oder ungehalten wird, wenn
er sich auf warum dies vernehmen lassen soll. Wir unsers Orts würden die Antwort
ungefodert gegeben haben, wenn die Leser nicht so hastig gewesen wären. Hier ist
sie!
    Teos war eine ateniensische Kolonie, von den zwölfen oder dreizehn eine,
welche unter Anführung des Neleus, Kodrus Sohns, in Ionien gepflanzt wurden.
    Die Atenienser waren von je her ein muntres und geistreiches Volk, und sind
es noch, wie man sagt. Atenienser, nach Ionien versetzt, gewannen unter dem
schönen Himmel, der dieses von der Natur verzärtelte Land umfliesst, wie
Burgunderreben durch Verpflanzung aufs Vorgebirge. Vor allen andern Völkern des
Erdbodens waren die ionischen Griechen die Günstlinge der Musen. Homerus selbst
war, der größten Wahrscheinlichkeit nach, ein Ionier. Die erotischen Gesänge,
die milesischen Fabeln (die Vorbilder unsrer Novellen und Romanen,) erkennen
Ionien für ihr Vaterland. Der Horaz der Griechen Alcäus, die glühende Sappho,
Anakreon, der Sänger - Aspasia, die Lehrerin - Apelles, der Maler - der Grazien,
waren aus Ionien; Anakreon war sogar ein geborner Tejer. Dieser letzte mochte
etwa ein Jüngling von achtzehn Jahren sein, (wenn anders Barnes recht gerechnet
hat,) als seine Mitbürger nach Abdera zogen. Er zog mit ihnen; und zum Beweise,
dass er seine den Liebesgöttern geweihte Leier nicht zurückgelassen, sang er dort
das Lied an ein tracisches Mädchen, (in Barnesens Ausgabe das ein und
sechzigste,) worin ein gewisser wilder tracischer Ton mit der ionischen Grazie,
die seinen Liedern eigen ist, auf eine ganz besondere Art absticht.
    Wer sollte nun nicht denken, die Tejer - in ihrem ersten Ursprung
Atenienser - so lange Zeit in Ionien einheimisch - Mitbürger eines Anakreons -
sollten auch in Tracien den Charakter eines geistreichen Volkes behauptet
haben? Allein (was auch die Ursache davon gewesen sein mag,) das Gegenteil ist
außer Zweifel. Kaum wurden die
