, wohl eingedenk dessen, was er dem
vorsichtigen Präsidenten versprochen, erwähnt der Verwandlung der milischen
Bauern nur im Vorbeigehen, und mit aller Ehrerbietung, die man einer alten
Volkssage schuldig ist. Er setzt sie, mit Beziehung auf das Buch des
Oberpriesters Stilbon von den Altertümern des Latonentempels, als eine Sache
voraus, die keinem mehreren Zweifel ausgesetzt ist, als die Verwandlung des
Narcissus in eine Blume, des Cyknus in einen Schwan, der Daphne in einen
Lorbeerbaum, oder irgend eine andre Verwandlung, die auf einem eben so festen
Grunde beruhet. Wenn es auch nicht unzulässig und unanständig wäre, dergleichen
uralte Sagen leugnen zu wollen: so wäre es, meint er, unverständig. Denn da es
auf der einen Seite unmöglich sei, ihre Glaubwürdigkeit durch historische
Zeugnisse umzustossen, und auf der andern kein Naturforscher in der Welt im
Stande sei, ihre absolute Unmöglichkeit zu erweisen: so werde jeder Verständige
sich um so lieber enthalten sie zu bezweifeln, als er doch weiter nichts dagegen
sagen könnte, als die gemeinen Platteiten, »es ist unglaublich, es ist wider
den Lauf der Natur« und dergleichen Formeln, die auch dem schalsten Kopfe beim
ersten Anblick eben so gut einfallen mussten. Er betrachte also die Umgestaltung
der milischen Bauern in Frösche als eine auf sich beruhende Sache; behaupte
aber, dass ihre Wahrheit bei der vorliegenden Frage vollkommen gleichgültig sei.
Denn es werde doch wohl niemand leugnen wollen, dass diese milischen
Menschfrösche schon ein paar tausend Jahre wenigstens tot und abgetan seien -
und gesetzt auch, dass die abderitischen Frösche ihre Abstammung von denselben
genüglich erweisen könnten; so würden sie damit doch weiter nichts erwiesen
haben, als dass sie seit undenklichen Zeiten von Vater zu Sohn wahre
echtgebrochne Frösche seien. Denn so wie die mehrbesagten milischen Bauern durch
ihre Verwandlung, und von dem Augenblick ihrer Einfroschung an, aufgehört
hätten, Menschen zu sein, so hätten sie auch, von solchem Augenblick an, nichts
anders als ihres gleichen, nämlich leibhafte natürliche Frösche zeugen können.
Mit einem Wort, Frösche seien Frösche, und der Umstand, dass ihre ersten
Stammväter vor ihrer Verwandlung milische Bauern gewesen, verändre eben so wenig
an ihrer gegenwärtigen Froschnatur, als wenig ein von zwei und dreißig Ahnen her
geborner Bettler für einen Prinzen angesehen werde, wenn gleich erweislich wäre,
dass der erste Bettler seines Stammbaums in gerader Linie von Ninus und Semiramis
entsprossen sei. Die Anhänger der entgegenstehenden Meinung schienen dieses auch
selbst so gut einzusehen, dass sie, um die vorgebliche höhere Natur der
abderitischen Frösche zu begründen, ihre Zuflucht zu einer Hypothese nehmen
müssten, deren bloße Darstellung alle Widerlegung überflüssig mache.
    Der scharfsinnige Leser (und es versteht sich von selbst, dass ein Werk wie
dies keine andre Leser haben kann)
