 andern nicht mehr schuldig,
als er um mich verdient. Wenn der Esel mein Eigentum ist, so ist es auch sein
Schatten.
    Sagst du das? Und glaubst du, oder glaubt der scharfsinnige und beredte
Sachwalter, in dessen Hände du die schlimmste Sache, die jemals vor ein Götter-
oder Menschengericht gekommen, gestellt hast, glaubt er, mit aller Zauberei
seiner Beredsamkeit, oder mit allem Spinngewebe sophistischer Trugschlüsse
unsern Verstand dergestalt zu überwältigen und zu umspinnen, dass wir uns
überreden lassen sollten, einen Schatten für etwas Wirkliches, geschweige für
etwas, an welches jemand ein directes und ausschliessendes Recht haben könne, zu
halten?
    Ich würde, grossmögende Herren, eure Geduld missbrauchen, und eure Weisheit
beleidigen, wenn ich alle Gründe hier wiederholen wollte, womit ich bereits in
der ersten Instanz, actenkundigermassen, die Nichtigkeit der gegnerischen
Scheingründe dargetan habe. Ich begnüge mich, für jetzt, nach Erfordernis der
Notdurft, nur dies Wenige davon zu sagen. Ein Schatten kann, genau zu reden,
nicht unter die wirklichen Dinge gerechnet werden. Denn das, was ihn zum
Schatten macht, ist nichts Wirkliches und Positives, sondern gerade das
Gegenteil; nämlich, die Entziehung desjenigen Lichtes, welches auf den übrigen,
den Schatten umgebenden Dingen liegt. In vorliegendem Fall ist die schiefe
Stellung der Sonne und die Undurchsichtigkeit des Esels (eine Eigenschaft, die
ihm nicht, in so fern er ein Esel, sondern in so fern er ein opaker Körper ist,
anklebt) die einzige wahre Ursache des Schattens, den der Esel zu werfen
scheint, und den jeder andre Körper an seinem Platze werfen würde; denn die
Figur des Schattens tut hier nichts zur Sache. Mein Klient hat sich also, genau
zu reden, nicht in den Schatten eines Esels, sondern in den Schatten eines
Körpers gesetzt; und der Umstand, dass dieser Körper ein Esel, und der Esel ein
Hausgenosse eines gewissen Antrax aus dem Jasontempel zu Abdera war, ging ihn
eben so wenig an, als er zur Sache gehörte. Denn, wie gesagt, nicht die Asinität
oder Eselheit (wenn ich so sagen darf), sondern die Körperlichkeit und
Undurchsichtigkeit des mehrbesagten Esels ist der Grund des Schattens, den er zu
werfen scheint.
    Allein, wenn wir auch zum Überfluss zugeben, dass der Schatten unter die Dinge
gehöre: so ist aus unzähligen Beispielen klar und weltbekannt, dass er zu den
gemeinen Dingen zu rechnen ist, an welche ein jeder so viel Recht hat, als der
andre, und an die sich derjenige das nächste Recht erwirbt, der sie zuerst in
Besitz nimmt.
    Doch, ich will noch mehr tun; ich will sogar zugeben, dass des Esels Schatten
ein Zubehör des Esels sei, so gut
