, so sehr er auch in dem Charakter dieses Mannes gegründet sein
mochte, doch so beschaffen war, dass man nur durch die unmittelbare Erfahrung
dahin gebracht werden konnte, ihn dessen für fähig zu halten.
 
                                Zehntes Kapitel
  Was für eine Mine der Priester Strobylus gegen einen Kollegen springen lässt
                        Zusammenberufung der Zehnmänner
 Der Erzpriester wird vorgeladen findet aber Mittel sich sehr zu seinem Vorteil
                            aus der Sache zu ziehen
Tages vorher, eh der Prozess über den Eselsschatten, der seit einigen Wochen die
unglückliche Stadt Abdera in so weit aussehende Unruhen gestürzt hatte, vor dem
großen Rat entschieden werden sollte, kam der Oberpriester Strobylus, mit zween
andern Priestern der Latona und verschiedenen Personen aus dem Volke, in großer
Gemütsbewegung und Eilfertigkeit frühmorgens zu dem Archon Onolaus, um Seiner
Gnaden ein Wunderzeichen zu berichten, welches (wie man die höchste Ursache habe
zu fürchten) die Republik mit irgend einem großen Unglück bedrohe.
    Es hätten nämlich schon in der ersten und zweiten Nacht vor dieser letztern
einige zum Latonentempel gehörige Personen zu hören geglaubt, dass die Frösche
des geheiligten Teiches, anstatt des gewöhnlichen Wreckeckek Koax Koax, welches
sie sonst mit allen andern natürlichen Fröschen, und selbst mit denen in den
stygischen Sümpfen (wie aus dem Aristophanes zu ersehen) gemein hätten, ganz
ungewöhnliche und klägliche Töne von sich gegeben; wiewohl besagte Leute sich
nicht getraut, so nahe hinzuzugehen, um solche genau unterscheiden zu können.
Auf die Anzeige, die ihm, dem Oberpriester, gestern Abends hievon gemacht
worden, habe er die Sache wichtig genug gefunden, um mit seiner untergebnen
Priesterschaft die ganze Nacht bei dem geheiligten Teiche zuzubringen. Bis gegen
Mitternacht habe die tiefste Stille auf demselben geruht: allein um besagte Zeit
habe sich plötzlich ein dumpfes, unglückweissagendes Getön aus dem Teich
erhoben; und da sie näher hinzugetreten, hätten sie insgesamt die Töne: Weh!
Weh! Pheu! Eleleleleleu! ganz deutlich unterscheiden können. Dieses Wehklagen
habe eine ganze Stunde lang gedauert, und sei, außer den Priestern, noch von
allen denen gehört worden, die er als Zeugen eines so unerhörten und höchst
bedenklichen Wunders mit sich gebracht habe. Da nun gar nicht zu bezweifeln sei,
dass die Göttin ihr bisher geliebtes Abdera durch dieses drohende und wundervolle
Anzeichen vor irgend einem bevorstehenden großen Unglück habe warnen, oder
vielleicht zur Untersuchung und Bestrafung irgend eines noch unentdeckten
Frevels auffordern wollen, der den Zorn der Götter auf die ganze Stadt ziehen
könnte: so wolle er, kraft seines Amtes und im Namen der Latona, Seine Gnaden
hiemit ersucht haben, das Kollegium der Zehnmänner unverzüglich zusammen berufen
zu lassen, damit die Sache ihrer Wichtigkeit gemäß erwogen, und die weitern
Vorkehrungen, die ein solcher Vorfall erfodere, getroffen werden könnten.
    Der Archon, der in dem Ruf war
