
eine Reihe von Begebenheiten wunderbar, die nicht täglich vorkömmt: die
einzelnen Begebenheiten können und müssen häufig geschehen - denn sonst wären
sie nicht wahrscheinlich -, aber nicht ihre Verknüpfung und Wirkung zu einem
Zwecke. So verhält es sich auch mit dem Wunderbaren der Handlungen: wir
schreiben es ihnen alsdann zu, wenn sie entweder aus einer ungewöhnlichen
Kombination von Bewegungsgründen und Leidenschaften entstehen oder in dem Grade
der Tätigkeit, womit sie getan werden, zu einer ungewöhnlichen Höhe steigen. Je
höher der Dichter dieses Wunderbare treibt, je mehr verliert er an der
Wahrscheinlichkeit bei denjenigen Lesern, die das nur wahrscheinlich finden, was
in dem Kreise ihrer Erfahrung am häufigsten geschehen ist: aber dies ist eine
falsche Beurteilung der poetischen Wahrscheinlichkeit, die allein in der
Hinlänglichkeit der Ursachen zu den Wirkungen besteht. Der Dichter schildert das
Ungewöhnliche, es liege nun in dem Grade der Anspannung bei Leidenschaften und
Handlungen oder in der Verknüpfung der Begebenheiten und ihrer Richtung zu einem
Zwecke; und dies Ungewöhnliche wird poetisch wahrscheinlich, wenn die
Leidenschaften durch hinlänglich starke Ursachen zu einem solchen Grade
angespannt werden, wenn die vorhergehende Begebenheit hinlänglich stark ist, den
Zweck zu bewirken, auf welchen sie gerichtet sind. Dies ist der einzige feine
Punkt, der das Wunderbare und Abenteuerliche scheidet.
    Der Verfasser kann unmöglich in einer Vorrede die Ideen alle entwickeln, die
ihn bei der Entwerfung seines Plans leiteten, und wie er seine beiden vorhin
angegebnen Absichten zu erreichen suchte: er muss es auf das Urteil der
Kunsterfahrnen ankommen lassen, ob sie in seinem Werke Spuren antreffen, dass er
mit Wahl und Absicht verfuhr. Er wählte eine Handlung, die den größten Teil von
dem Leben seiner beiden Helden einnahm, um sich die Rechte eines Biographen zu
erwerben: aber er wählte unter den Begebenheiten und Handlungen, die diesen
größten Teil des Lebens ausmachten, nur solche, die auf seine Hauptandlung
Beziehung oder Einfluss hatten, um ein poetisches Ganze zu machen.
    Jedes poetische Ganze hat zween Teile - die Anspinnung, Verwickelung und
Entwickelung der Fabel: die Exposition und stufenweise Entwickelung des
Hauptcharakters oder der Hauptcharaktere. Auf diese beiden Punkte muss der Blick
des Dichters bei der Anordnung beständig gerichtet sein, um zu beurteilen,
welche Charaktere er nur als Nebenfiguren behandeln, wie er sie stellen und
handeln lassen soll, dass sie auf die Hauptperson ein vorteilhaftes Licht werfen,
ihre Charaktere durch Kontrast oder bloß graduale Verschiedenheit heben und
anschaulich machen; um zu beurteilen, wie er die Szenen stellen soll, dass die
vorhergehenden die folgenden mittelbar oder unmittelbar vorbereiten und alle auf
den Hauptzweck losarbeiten; welche er gleichsam nur im Schatten lassen, nur
flüchtig und kurz übergehen und welche er in das größte Licht setzen und völlig
ausmalen soll; wie er sie so ordnen soll, dass jede
