 freilich wird das ohne Aufopferungen nicht abgehen; ihr werdet euch oft freiwillig entschließen müssen, auf ein sehr liebes Vergnügen Verzicht zu tun, und zuweilen etwas sehr Unangenehmes zu erdulden, um euch dadurch nach und nach diejenige Stärke der Seele zu erwerben, welche uns in den Stand sezt, jede unerlaubte Begierde in uns zu bekämpfen und jeden Verlust, jeden Mangel mit weiser Gleichmütigkeit zu ertragen. Es versteht sich, dass wir Erwachsene euch in allen diesen Übungen vorgehen und nichts von euch fodern werden, als was wir selbst zu leisten Herz genug haben. Wolt ihr diesen Vorschlag eingehen?
Alle gaben ihre Einstimmung durch ein lautes Ja! und durch freudiges Händeklatschen zu erkennen. Es wurde also von diesem Augenblicke an eine Schule der Weisheit unter ihnen errichtet, welche von andern Schulen sich vornehmlich dadurch auszeichnete, dass wöchentlich nur eine halbe Stunde gelehrt, und das Gelehrte wenigstens acht Tage hinter einander recht eigentlich zur Übung gemacht ward. Vielleicht teilen wir unsern jungen Lesern einmal eine Nachricht von diesen Übungen und von ihren erfreulichen Folgen mit, um auch sie die Mittel zu lehren, wodurch man ein vorzüglich guter, gemeinnüziger und glücklicher Mensch werden kann.
Jetzt wieder zu unserm Robinson! – Nachdem die gemeldete Verabredung genommen war, fuhr der Vater folgendermaßen fort.
Kinder, das, wovon ich gestern Abend beim Schluss meiner Erzählung sagte, dass es möglich sei, hat sich nun wirklich zugetragen.
Alle. Was denn? Was denn?
Vater. Ich sagte, dass im menschlichen Leben unsere gewissesten Hoffnungen oft plötzlich vereitelt werden; und dass daher auch Robinson, so wahrscheinlich und so nahe seine Erlösung auch zu sein schiene, doch leicht ein unvorhergesehenes Hindernis antreffen dürfte, welches ihn nötigte, noch länger da zu bleiben. Dieses Hindernis nun fand sich schon am folgenden Tage ein.
Es fing nämlich mit diesem Tage abermals die gewöhnliche Regenzeit an, von welcher Robinson nun schon aus vieljähriger Erfahrung wusste, dass sie jährlich zweimahl, und zwar immer um diejenige Zeit einzutreffen pflege, da Tag und Nacht einander gleich sind. Während dieser Regenzeit, die gemeiniglich einen oder zwei Monate anhielt, war es unmöglich, außer Hause etwas zu verrichten; so stark und unaufhörlich strömte alsdan der Regen herab! Auch hatte Robinson bemerkt, dass in jener Weltgegend das Ausgehen und Nasswerden in dieser Jahreszeit der Gesundheit äußerst nachteilig sei. Was war also nun zu tun? Der Schifbau musste aufgehoben und die Zeit mit häuslichen Verrichtungen hingebracht werden.
Wohl bekam es nun unserm Robinson an den regnigten Tagen und in den langen finsteren Abendstunden, dass er wieder Feuer, noch mehr, dass er einen Geselschafter, einen Freund, hatte, mit dem er unter gemeinschaftlichen Hausarbeiten die Zeit mit vertraulichen Gesprächen vertreiben konnte! Vormahls hatt' er diese
