
        Joachim Heinrich Kampe
Robinson der Jüngere
Vorbericht.
Wenn ich die mannigfaltigen Zwecke, die ich bei der Ausarbeitung dieses Werkchens vor Augen hatte, nicht alle verfehlt habe, so liefere ich hier ein Buch, welches in mehr, als einer, Hinsicht Nuzen verspricht. Ich will diese Zwecke kürzlich darlegen, um einen jeden in den Stand zu setzen, sie mit der Ausführung zusammen zu halten. Das wird dann auch den Vorteil haben, dass angehende Erzieher daraus den Gebrauch ersehen können, den ich von diesem Buche gemacht wünsche.
Erstlich wollte ich meine jungen Leser auf eine so angenehme Weise unterhalten, als es mir möglich wäre; weil ich wusste, dass die Herzen der Kinder sich jedem nützlichen Unterrichte nicht lieber öfnen, als wenn sie vergnügt sind. Auch darf ich hoffen, diese meine erste Absicht in einem ziemlichen Grade erreicht zu haben.
Dan nahm ich mir zweitens vor, an den Faden der Erzählung, die in diesem Buche zum Grunde liegt, so viel elementarische Kenntnisse zu schürzen, als es, ohne meinem ersten Zwecke Eintrag zu tun, nur immer geschehen könnte. Ich verstehe aber unter den elementarischen Kenntnissen nicht etwa bloß litterarische, sondern auch vornehmlich solche, welche den eigentlichen literarischen oder wissenschaftlichen Elementen vorgehen müssen; nämlich alle die Vorbegriffe von Dingen aus dem häuslichen Leben, aus der Natur und aus dem weitläuftigen Kreise der gemeinen menschlichen Wirksamkeit, ohne welche jeder andere Unterricht einem Gebäude gleicht, das keine Grundlage hat.
Nebenbei wollte ich freilig auch drittens manche nicht unerhebliche litterarische Vorerkentniss, besonders aus der Naturgeschichte, mitnehmen, weil es sich auf einem Wege tun ließ. Denn warum hätt' ich nicht, statt der erdichteten Dinge, womit die Geschichte des alten Robinsons aufgestuzt ist, lieber wahre Gegenstände, wahre Produkte und Erscheinungen der Natur – und zwar in Beziehung auf diejenigen Weltgegend, wovon die Rede ist, – in meine Erzählung aufnehmen sollen, da ich beide zu einem Preise haben, und mit beiden einerlei Absicht erreichen konnte? Schon eine Ursache, warum ich von der Geschichte des alten Robinsons bei der Meinigen wenig Gebrauch machen konnte. Es werden sich mehrere finden.
Meine vierte und wichtigste Absicht war, die Umstände und Begebenheiten so zu stellen, dass recht viele Gelegenheiten zu moralischen, dem Verstande und dem Herzen der Kinder angemessenen Anmerkungen und recht viele natürliche Anlässe zu frommen, gottesfürchtigen Empfindungen dadurch hervorwüchsen. Auch um dieser Ursache willen musste ich mir einen eigenen Stof nach meinem jedesmahligen Bedürfnisse schaffen und von der alten Geschichte abgehen. Derjenige also, der dies Buch bloß zur Leseübung für seine Kinder brauchen wollte, (welches gewöhnlicher Weise nicht das angenehmste Geschäft für sie ist) werde meinen angelegentlichsten Wunsch, – den Samen der Tugend, der Frömmigkeit und der Zufriedenheit mit den Wegen
