; und das nächstemal erzähle ich ihr meine vorläufige
Verbindung mit C**, meine Aussichten und den Wohnplatz, den ich haben werde.
 
                           Neun und funfzigster Brief
Meine heutige Unterredung mit Frau van Guden war sonderbar, weil sie auf alle
meine Fragen auf so abgebrochen antwortete, wie zum Beweis, auf die von der
Religion: »Sie ist meinem Hetzen nicht nur um meinetwillen sondern auch des
Nächsten wegen schätzbar, weil sie allen Menschen, sie mögen große oder kleine
Verstandskräfte besitzen, deutliche und hinreichende Mittel und Bewegungsgründe
zu guten Handlungen varbietet, Trost im Leiden verschafft, und wahre
Zufriedenheit auch bei geringen Umständen lehret. Aber sie ist nicht mehr, wie
sie aus den Händen ihres göttlichen Stifters kam. Süße und bittere Leidenschaften
hindern und unterbrechen ihren Einfluss, wie den von der Vernunft. - Aber lassen
Sie mich davon aufhören; ich bin über diesen ehrwürdigen Gegenstand nicht gern
in Gespräche verwickelt.« -
    Hierauf sagte ich ihr, dass ich Vorgestern in einer Gesellschaft jemand in
großem Eifer gegen Leute gesehen hätte, die mehr Aufmerksamkeit und Bewunderung
für Werke der Kunst der Menschen zeigten, als für die Wunder der Schöpfung; und
dass ich gewünscht hätte, sie mit da zu sehen, um ihre Gedanken darüber zu hören.
-
    »Von diesen hätte ich in einer großen Gesellschaft am wenigsten gesagt.« -
    »Aber da ich allein bei Ihnen bin, würden Sie mich sehr verbinden, wenn Sie
mir sie mitteilen.« -
    »Ich halte diesen Tadel für Unrecht; denn der vermeinte Vorzug der Kunst
liegt gewiss in dem Gefühl, dass die Werke der Natur durch Allmacht und Weisheit
eines Gottes entspringen; Künste aber, durch Geschöpfe unsers gleichen, und uns
also mehr in Erstaunen setzen müssen, weil wir in dem Augenblicke, da wir sie
bettachten, einen so großen Unterschied des Gebrauchs und der Fähigkeiten der
nämlichen Organisation bemerken.« -
    Hierüber sagte ich mit einiger Bewegung: »O, was für einen Verlust hat die
Gesellschaft an Ihnen erlitten! wie viel Licht, wie viel Menschenliebe hätten
Sie ausgebreitet! wie sehr hätte man Sie geschätzt!« -
    »Das glaube ich nicht, mein Kind; denn der ganze Ton meiner Seele ist zu
eigen gestimmt. In wichtigsten Anlässen würde ich immer missfallen und
missvergnügt sehen.« -
    »Sie! - mit so viel Kenntnissen, mit so viel Empfindung, würden gewiss die
edelste Hochachtung und Liebe erhalten.« -
    »Gute Rosalia! was Sie da sagen, beweist mir, wie verschieden unsere
Begriffe von Hochachtung, Liebe und Edelmütigkeit sind.« -
    »Und wie so?« -
    »Ach, alle Gefühle meines Herzens hierüber, gehören mit unter die toten
Sprachen, die nur die und da ein Geschichtschreiber, oder Altertumsforscher
