, dass hieß Wort in Kurland so
gang und gäbe ist! - Zwar ist es in den meisten Fällen nur so da, der Mode
halber, wie: hol dich -; indessen ist Rom nickt an einem Tage erbaut.
    Durch die Geburt sehe ich mich in gewisse gesellschaftliche Verbindungen
gesetzt, zu welchen ich zwar meine Einwilligung nicht mittelst eines deutlichen
und aufrichtigen Jaworts beigetragen; hab' ich aber nicht Anteil an den
gemeinschaftlichen Vorteilen genommen? Fordern mich also Gesetze des Staats, in
dem ich lebe, auf, denen das Gewissen seine Stimme nicht entzieht, so bin ich
schuldig, treu, hold und gewärtig zu sein. Ich muss das Land, das mir Brod und
Wasser gibt, nicht als eine Herberge ansehen, wo man sich oft länger als man
wünscht, aufzuhalten verbunden ist, weil ein Rad gebrochen. Wessen Brod ich
esse, dessen Lieb ich singe.
    Gott aber muss man mehr gehorchen als den Menschen.
    
    Die Religion im jetzigen Sinn ist der zweite Teil der Staatsverfassung. Sie
ist die Ehegattin der Staatsklugheit. Ich bin nicht berechtigt, wider die
Religion, die der Staat entweder als Mitregentin nimmt oder als Freundlingin
schätzt, mir eine Verräterei zu Schulden kommen zu lassen.
    In dieser Rücksicht bekenne ich mich als ein Mitglied eines christlichen
Staats zur christlichen Religion, in so fern derselben Lehrsätze meinen
geprüften und als wahr anerkannten Grundsätzen, bei denen mein Gewissen
präsidirt, nicht entgegen sind. Von dieser Oberratsstube gilt keine Appellation
nach Warschau.
    Keinem will und werd' ich meine Grundsätze nahe legen. Nie würd' ich mit dem
guten Pastor gestritten haben, wenn er nicht der Pastor in - und ich der wäre,
der ich bin! Warum wir uns aber zehn Jahre abgesondert, begreif' ich nicht bis
diesen Augenblick. Luthers Schuhe, pflegten sie zu sagen, sind nicht allen
Dorfpriestern gerecht.
                                     * * *
    Über Vermögen fordere ich von meinen Untergebenen, sie mögen undeutsch oder
deutsch sein, keinen Schritt. Wenn Gott es mit den Ungerechten machte, wie sie
mit ihren Schuldnern. - - -
    Milchhaar wird auch braun oder schwarz, und wo ist denn eine Lust, die ihren
Gift nicht bei sich trägt? Wo ist ein Mahl von reinem Wein voll Mark, darin kein
Hefen ist? Wo eine Sünde ohne Strafe? Wüstenei ist in der Stadt. Das ist ein
Text; wo er steht, weiß mein Hofmeister, den Gott tröste! am besten. Was ist
aber richtiger, als Wüstenei in der Welt? Ein unverfälschtes Lachen gibt es
nicht in der Welt. Jeder leidet, was seine Taten wert sind. Der Weise rühmt
sich eines Seelenvergnügens und wirft seinem Weibe aus Verdruss einen
Porcellanaufsatz an den Kopf. Ein lautes Vergnügen hält man für Rausch
